Vorhelmer Weg 32
| Vorhelmer Weg 32 | |
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51.772717.90178 Koordinaten: 51° 46′ 22″ N, 7° 54′ 6″ O
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| Anschrift | Vorhelmer Weg 32
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| Baujahr | 1958 |
| Architekt | Rudolf Hunecke |
| Ursprüngliche Nutzung | Einfamilienhaus |
Das Gebäude Vorhelmer Weg 32 ist ein 1958 errichtetes Wohnhaus. Es entstand für den Fabrikanten Hermann Schwarte, Inhaber des Radiatorenwerks Vulkan, und seine Ehefrau Paula Schwarte nach Plänen des Architekten Rudolf Hunecke aus Lengerich.
Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören neben dem Wohnhaus auch das Garagengebäude, das Eingangstor sowie wesentliche Teile der historischen Gartengestaltung.
Vorgeschichte
Das rund 2.900 Quadratmeter große Grundstück entstand durch die Zusammenlegung von ursprünglich drei vorgesehenen Bauplätzen mit den Hausnummern 30 bis 34.
Auf dem Grundstück befand sich zunächst ein 1946 errichtetes Nothaus. Nachdem dieses im Dezember 1957 abbrannte, wurde der vorhandene Keller für den Neubau weiterverwendet.
Neubau 1958
1958 entstand auf dem Kellersockel des abgebrannten Vorgängerbaus ein großzügiges, zweiflügeliges Einfamilienhaus mit insgesamt 13 Räumen.
Bauherr war der Fabrikant Hermann Schwarte, Inhaber des Radiatorenwerks Vulkan an der Bruchstraße 59, gemeinsam mit seiner Ehefrau Paula, geborene Schümhoff.
Mit der Planung wurde der Architekt Rudolf Hunecke aus Lengerich beauftragt.
Nach familiärer Überlieferung wurde Hunecke ausgewählt, weil er für Wohnhäuser mit Strohdächern bekannt war. Ein solches Dach war vom Bauherrn ausdrücklich gewünscht und sollte an die Lüneburger Heide erinnern.
Aus Sorge vor einem erneuten Brand erhielt das Gebäude unterhalb des Strohdaches zusätzlich ein Betondach als Brandschutz.
Architektur und Ausstattung
Das Wohnhaus wurde als großzügiges Landhaus konzipiert. Häuser dieser Art mit Strohdach entstanden in den 1950er-Jahren vereinzelt auch in anderen westfälischen Orten und standen für einen bewusst ungezwungenen, ländlich geprägten Wohnstil.
Die Innenausstattung wurde mit hohem gestalterischem Anspruch ausgeführt.
Zu den charakteristischen Elementen gehören großformatige Fenster, profilierte Innentüren sowie zahlreiche fest eingebaute Schränke aus hellem Eichenholz.
Die Geschosstreppe erhielt ein kunsthandwerklich gefertigtes Metallgeländer.
Garage und Nebengebäude
Bereits 1955 war an der östlichen Grundstücksgrenze eine Garage mit Geräteschuppen errichtet worden.
Die Planung stammte vom Architekten Heinrich Schoppenhorst aus Ladbergen.
Das eingeschossige massive Gebäude wurde mit Backsteinen verkleidet und erhielt ein steiles, mit Dachpfannen gedecktes Vollwalmdach.
Gartengestaltung
Auch die Gestaltung des weitläufigen Gartens war Teil des Gesamtkonzeptes.
Nach Plänen eines Gartenarchitekten aus Beckum entstand eine für die 1950er-Jahre typische, landschaftlich wirkende Gartenanlage mit Baumgruppen, geschützten Ruheplätzen und geschwungenen Wegen.
Die Wege und Freiflächen wurden mit Bruchsteinplatten belegt.
Zu den besonderen Gestaltungselementen gehörten ein Teich mit Springbrunnen sowie eine Bronzefigur zweier Kinder.
Auch das Eingangstor beziehungsweise die Vorgartentür war Teil der gestalterischen Gesamtanlage.
Veränderungen
Spätere Modernisierungen griffen nach Einschätzung der Denkmalpflege nur vergleichsweise gering in die ursprüngliche Struktur von Haus und Garten ein.
Teilweise wurden Fenster erneuert. An der rückwärtigen Traufseite wurden einzelne Fenster vermutlich bis zum Boden verlängert.
Die ursprünglich holzsichtigen Einbauschränke und wahrscheinlich auch Teile der Türen erhielten später farbige Fassungen.
Die wesentlichen Strukturen des Gebäudes und der Gartenanlage blieben jedoch erhalten.
Denkmalschutz
Das Wohnhaus mit Garage, Eingangstor und Gartenanlage wurde 2010 in die Denkmalliste der Stadt Ahlen eingetragen.
Nach Einschätzung der Denkmalpflege dokumentiert die Gesamtanlage die gesellschaftliche Stellung eines erfolgreichen Ahlener Fabrikanten in der Nachkriegszeit.
Hermann Schwarte war Inhaber der Vulkan-Werke H. Schwarte GmbH. Das Unternehmen ging auf eine im 19. Jahrhundert von dem Klempner Theodor Schwarte gegründete Eisengießerei zurück und produzierte bis 1975 an der Bruchstraße beziehungsweise der späteren Theodor-Schwarte-Straße.
Die Firma gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den größeren Industriebetrieben Ahlens und stellte vor allem gusseiserne Heizkörper und Heizkessel unter der Marke Vulkan her.
Für die Erhaltung der Anlage liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche und künstlerische Gründe vor.
Wissenschaftlich gilt sie als anschauliches Beispiel für die Vielfalt des Villen- und Wohnhausbaus nach 1945. Neben international beeinflusster moderner Architektur und stärker traditionellen Bauformen entstanden vereinzelt auch solche bewusst ländlich geprägten Landhäuser mit Strohdach.
Künstlerische Bedeutung besitzt insbesondere die konsequente Gestaltung des gesamten Ensembles vom Wohnhaus über die Innenausstattung bis hin zur Gartenanlage.
Quellen
- Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2010 zur Stadtbild- und Denkmalpflege, Drucksache VO/1538/2011.

