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Rottmannstraße 4

Aus AhlenWiki
Rottmannstraße 4
51.7626337.899433
Anschrift Rottmannstraße 4



Baujahr 1794
Ursprüngliche Nutzung Bauernhaus
Karte

Das Gebäude Rottmannstraße 4 ist ein 1794 errichtetes ehemaliges Bauernhaus. Es entstand ursprünglich freistehend auf einem größeren landwirtschaftlich genutzten Grundstück vor den Toren der Stadt und gehört zu den wenigen erhaltenen Beispielen ländlicher Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus der Zeit um 1800.

Das Haus dokumentiert zugleich den tiefgreifenden Wandel seines Umfeldes von der bäuerlich geprägten Feldflur zur industriell und städtisch überformten Umgebung.

Entstehung

Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurde 1794 als giebelständiger Fachwerkbau errichtet.[1]

Nach der Inschrift auf dem Torbogen wurde das Haus am 12. August 1794 für Gerhard Heinrich Diesse und seine Ehefrau Anna Maria Rosendal aufgerichtet.

Es entstand in traditionellen Formen als Längsdielenhaus mit Kammerfach.

Das zugehörige bäuerliche Anwesen war vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Markenteilung vor den Toren der Stadt an der Chaussee nach Beckum entstanden.[1]

Bauform

Das Haus wurde als sieben Gefache langer Fachwerkbau errichtet.

Das tragende Gerüst besteht aus acht Gebinden. An den Traufwänden wurden eingehälste Balken verwendet, während die durchlaufenden Innenwände aufgelegte Balken mit Kopfbändern im Querverband erhielten.[1]

Die Wände wurden dreifach verriegelt und mit Fußstreben ausgesteift.

Die Giebeldreiecke kragen leicht über Konsolknaggen vor. Ursprünglich waren sie verbrettert. Das vordere Giebeldreieck erhielt im späteren 19. Jahrhundert stattdessen sichtbares Fachwerk mit Backsteinausfachungen.

Grundriss und Nutzung

Die ursprüngliche Raumstruktur wird wesentlich durch zwei durchlaufende Längswände sowie eine Querwand bestimmt.

Im vorderen Gebäudeteil befand sich die Wirtschaftsdiele mit seitlich angeordneten Stallbereichen. Die Ställe waren vermutlich ursprünglich offen zur Diele. Darüber lagen sogenannte Hillen zur Lagerung.[1]

Im rückwärtigen Teil befand sich der Wohnbereich mit einer hohen mittleren Küche. Seitlich davon lagen kleinere, zweigeschossig angeordnete Wohnräume.

Die Küche wurde über die südliche Giebelfassade belichtet und besaß dort einen zusätzlichen Zugang. Der Kaminblock lag vor der Trennwand zur Diele.

Beidseitig der Küche befand sich jeweils ein Raum im Erd- und Zwischengeschoss. Die oberen Räume wurden über Treppen von der Diele aus erschlossen.

Mehrere Türen aus der Bauzeit sind im Wohnteil erhalten. Auch die ursprünglichen Fensteröffnungen blieben weitgehend bestehen.[1]

Wandel des Umfeldes

Ursprünglich lag das Bauernhaus auf einem weitläufigen landwirtschaftlichen Grundstück außerhalb der geschlossenen Stadtbebauung.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich das Umfeld grundlegend.

1847 wurde wenig nördlich des Hofes die Trasse der Köln-Mindener Eisenbahn angelegt. Die Bahnstrecke wurde 1915/16 verbreitert und höher gelegt.[1]

Auf den verbleibenden Flächen zwischen Bahn und Hof entwickelte sich später ein Industriebetrieb an der Beckumer Straße 2–6.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Beckumer Straße breiteten sich ab 1865 auf ehemaligen Gartengrundstücken zunehmend die Kerckmannwerke aus.

Damit verlor der Hof nach und nach seinen ursprünglichen Bezug zur freien Feldflur und wurde zunehmend von Wohn- und Gewerbebebauung umgeben.

Fuhrgeschäft und Handel

Im späteren 19. Jahrhundert gelangte das Anwesen in den Besitz von Franz Eckel, einem nachgeborenen Sohn des Hofes Eckel vor der Stadt.[1]

Auf dem inzwischen weitgehend von städtischer Bebauung umgebenen Grundstück eröffnete er ein Fuhrgeschäft und einen Handelsbetrieb.

Die Landwirtschaft wurde nur noch im Nebenerwerb weitergeführt.

Um 1900 entstanden weitere Wirtschaftsgebäude auf dem Grundstück. In diese Zeit dürfte auch die Verputzung der südlichen Giebelfassade fallen.

Umbauten

Um 1900 wurde an der westlichen Traufseite im Bereich der ehemaligen Stallungen ein massiver Backsteinanbau errichtet. Dieser schuf zusätzliche Stallräume. Die ursprüngliche tragende Fachwerkwand blieb dabei erhalten.[1]

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde im früheren linken Stallbereich ein Büroraum eingebaut, der bis in die Diele hineinreichte.

Für diesen Umbau wurden im Erdgeschoss zwei Dielenständer entfernt und größere Fenster eingebaut.

Um 1980 wurde die schadhaft gewordene Ziegeleindeckung des Daches durch Ondoline-Platten ersetzt.

Um das Jahr 2000 wurde die westliche Traufwand zusätzlich mit Platten verkleidet. Gleichzeitig erneuerte man die Verbretterung des rückwärtigen Giebels.

Trotz dieser Veränderungen blieb die historische Grundstruktur des Hauses nach Einschätzung der Denkmalpflege weitgehend erhalten.[1]

Denkmalschutz

Denkmalwert besitzt das Bauernhaus von 1794.

Nicht zum Denkmalumfang gehören der später errichtete massive Stallanbau, die Scheune von 1901 sowie die übrigen Nebengebäude.[1]

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Ahlen sowie für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse.

Von besonderer Bedeutung ist seine Lage. An dem Gebäude und seinem Umfeld lässt sich beispielhaft die Entwicklung der stadtnahen Feldflur vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart nachvollziehen.

Die Besiedlung der zuvor landwirtschaftlich geprägten Flächen begann im späten 18. Jahrhundert. Mit dem Bau der Eisenbahn ab 1847 setzte anschließend eine zunehmende Industrialisierung und Bebauung ein. Industrieanlagen, Wohnhäuser und ältere landwirtschaftliche Gebäude lagen dabei zunächst unmittelbar nebeneinander.

Von den früher für den Bereich um die Altstadt charakteristischen kleinen Bauernhäusern sind heute nur noch wenige erhalten. Dadurch kommt dem Gebäude Rottmannstraße 4 nach Einschätzung der Denkmalpflege eine besondere exemplarische Bedeutung zu.[1]

Für die Erhaltung liegen sowohl städtebauliche als auch wissenschaftliche Gründe vor.

Die weitgehend erhaltene historische Konstruktion und Raumstruktur dokumentiert die Bauweise ländlicher Wohn- und Wirtschaftsgebäude im unmittelbaren Umfeld der Stadt um 1800.

Quellen

  1. ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2010 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2010 zur Stadtbild- und Denkmalpflege, Drucksache VO/1538/2011.