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Robert-Koch-Straße 16

Aus AhlenWiki
Robert-Koch-Straße 16
51.7656827.880797
Anschrift Robert-Koch-Straße 16



Baujahr 1965–1967
Architekt Harald Deilmann
Ursprüngliche Nutzung Einfamilienhaus
Karte

Das Gebäude Robert-Koch-Straße 16 ist ein 1965 bis 1967 errichtetes Wohnhaus. Es entstand für die Eheleute Dr. Rudolf Steimann und Maria Steimann nach Plänen des Münsteraner Architekten Harald Deilmann.

Das Wohnhaus mit Garage und Vorgartengestaltung gilt als ein besonders gut erhaltenes Beispiel moderner Wohnhausarchitektur der 1960er-Jahre. Es wurde 2009 in die Denkmalliste der Stadt Ahlen eingetragen.

Geschichte

Das großzügige Einfamilienhaus wurde zwischen 1965 und 1967 für Dr. med. Rudolf Steimann und seine Ehefrau Maria errichtet.

Die Wahl des Architekten Harald Deilmann ging auf den ausdrücklichen Wunsch des Bauherrn zurück, der sich für moderne Architektur interessierte und Deilmann aus seiner beruflichen Zeit in Münster kannte.

Deilmann erhielt bei der Planung weitgehende gestalterische Freiheit. Vorgesehen war ein konsequent modernes Wohnhaus, bei dem im Äußeren wie im Inneren im Wesentlichen die Materialien Beton, Glas und Holz verwendet wurden.

Das Raumprogramm war für die große Familie mit sechs Kindern ausgelegt und sollte zugleich dem gesellschaftlichen Anspruch des Bauherrn als Chefarzt entsprechen.

Architektur

Das Haus wurde als zweigeschossiger freistehender Bau über einem Kellersockel errichtet. Die Konstruktion besteht aus unbehandeltem Sichtbeton und wird von Flachdächern abgeschlossen.

Die äußere Gestalt ergibt sich weitgehend aus der inneren Raumaufteilung. Durch zahlreiche Vor- und Rücksprünge wirkt der Baukörper wie eine aus mehreren Blöcken zusammengesetzte Plastik.

Unterschiedlich große Fensteröffnungen mit zurückgesetzten Ganzglasscheiben und dunklen Rahmen prägen die Fassaden.

An der Vorderseite tritt die Geschosstreppe als auskragender Baukörper hervor. Auch das über dem Eingangsbereich weit vorkragende Dach sowie der freistehend wirkende Schornstein wurden als eigenständige architektonische Elemente gestaltet.

An der östlichen Seite des Grundstücks befinden sich zwei Garagen in einem eigenen Baukörper.

Raumaufteilung

Der Zugang erfolgt über einen Windfang in eine kleine, aber zweigeschossige Eingangsdiele. In diese ist die offene Geschosstreppe mit Galerie integriert.

Von der Diele aus lag auf der einen Seite das Arbeitszimmer des Hausherrn. Auf der anderen Seite befanden sich Garderobe, Küche sowie ein Nebenflur.

Dieser Nebenflur erschloss unter anderem ein separates Treppenhaus sowie das im Gebäude integrierte Hallenbad.

Zum Garten hin lagen das große Wohnzimmer und das anschließende Esszimmer. Diese Räume besaßen ebenso wie das Hallenbad wandhohe Glasfronten zum Garten.

Die meisten Schlafzimmer im Obergeschoss waren ebenfalls zum Garten ausgerichtet. Ihnen war eine großzügige Terrasse über den Wohnräumen vorgelagert.

Innenausstattung

Harald Deilmann war auch an wesentlichen Teilen der Innenausstattung beteiligt.

Für mehrere Räume wurden großformatige Einbauschränke durch die Firma Rincklage van Endert aus Münster angefertigt. Solche Einbauten befanden sich unter anderem im Esszimmer, Arbeitszimmer, in der Küche und in den Schlafzimmern.

Zu den besonderen Gestaltungselementen gehörten eine raumteilende Garderobe in der Eingangsdiele sowie eine Wandgestaltung mit goldfarben aufgetragenen Ornamenten.

Besonders aufwendig war die Gestaltung des Hallenbades. Dessen Rückwand wurde vollständig mit einer Keramikplastik verkleidet. Die Ausführung erfolgte durch die keramik werkstatt hans lechner aus Witten nach Entwürfen des Architekten.

Auch im Inneren bestehen tragende Wände, Decken und beide Geschosstreppen aus unbehandeltem Sichtbeton.

Andere Wände wurden teilweise als eingestellte Schrankwände ausgeführt. Die Außenwände erhielten auf der Innenseite eine Dämmung und wurden in Wohn-, Ess- und Arbeitsbereich mit dunkel gebeiztem Wengeholz verkleidet.

Vorgarten und Außenanlagen

Auch die Gestaltung der Freiflächen vor dem Haus war Teil des architektonischen Gesamtkonzeptes.

Der Vorgarten wurde durch verschiedene niedrige Betonmauern gegliedert und eingefasst.

1968 wurde zusätzlich eine massive Sichtschutzwand zur Mozartstraße genehmigt.

Zum denkmalwerten Bestand gehören neben dem Wohnhaus auch die Garagen und die Gestaltung der Freiflächen vor dem Haus.

Veränderungen

Die Gestaltung des Hauses blieb über Jahrzehnte weitgehend erhalten.

Wenige Jahre nach der Fertigstellung wurde der ursprünglich vollständig aus Beton gestaltete Kamin im Wohnzimmer im oberen Bereich mit Kupferplatten verkleidet. Diese Gestaltung wurde von dem mit der Familie befreundeten Künstler Kunkler aus Raesfeld ausgeführt.

Bei zwei großen Wohnzimmerfenstern zum Garten wurde später die Verglasung verändert, um eine als störend empfundene waagerechte Sprosse zu entfernen.

1996 erfolgten aufgrund des kleiner gewordenen Haushalts kleinere Veränderungen im Inneren. Dabei wurde mit möglichst geringem Substanzverlust im Obergeschoss eine separate Wohnung zur Vermietung eingerichtet.

Das Schwimmbecken wurde mit einer Holzkonstruktion abgedeckt. Der ehemalige Schwimmbadbereich wurde durch eingestellte Leichtbauwände als Schlaf- und Ankleidezimmer genutzt. Konstruktion und wesentliche Gestaltungsdetails des Hallenbades blieben dabei erhalten.

Denkmalschutz

Das Wohnhaus mit Garage und Vorgartengestaltung wurde 2009 in die Denkmalliste der Stadt Ahlen eingetragen.

Die Denkmalpflege bewertet das Gebäude als herausragendes Beispiel modernen Bauens der 1960er-Jahre. Sowohl die äußere Gestaltung als auch die innere Raumstruktur und die fest mit dem Gebäude verbundene Ausstattung sind in weiten Teilen erhalten geblieben.

Darüber hinaus gilt das Haus als besonders charakteristisches Beispiel für das Werk des international tätigen Architekten Harald Deilmann.

Für die Erhaltung des Gebäudes liegen nach der Denkmalbewertung insbesondere architekturgeschichtliche und künstlerische Gründe vor.

Sanierung und neue Nutzung

2016 wurde mit der Sanierung des Gebäudes begonnen. Gleichzeitig erfolgte eine Umnutzung zu mehreren Wohneinheiten.

Im Zuge der Arbeiten wurde unter anderem ein Gutachten zur Restaurierung des Sichtbetons erstellt.

2017 waren die Arbeiten im Inneren bereits so weit fortgeschritten, dass eine Jugendwohngruppe des Hauses Walstedde in das Gebäude einziehen konnte.

Bei der Sanierung wurden auch historische Böden und Wandverkleidungen aufgearbeitet.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Restaurierung der Sichtbetonfassaden. Die aufwendigen Arbeiten wurden mit privaten Mitteln der Eigentümer sowie mit Fördermitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Ahlen durchgeführt.

2019 konnte die Restaurierung der Sichtbetonfassaden abgeschlossen werden.

Quellen


  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2009 zur Stadtbild- und Denkmalpflege, Drucksache VO/1301/2010.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2016 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2017 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2018 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2019 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.