Zum Inhalt springen

Im Seebrock 56

Aus AhlenWiki
Im Seebrock 56
51.7933627.869269
Anschrift Im Seebrock 56



Baujahr 1783
Ursprüngliche Nutzung Bauernhof / Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Heutige Nutzung Wohnhaus
Karte

Der Hof Breloh an der Straße Im Seebrock 56 ist eine historische Hofanlage mit einem 1783 errichteten Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie einer um 1900 entstandenen Bansenscheune.

Die Hofanlage, früher unter anderem als Hof Untiedt beziehungsweise Hof Busch bezeichnet, gilt als bedeutendes Zeugnis der bäuerlichen Kultur des südlichen Münsterlandes und der früheren grundherrlichen Verhältnisse.

Geschichte des Hofes

Die Geschichte der Hofstelle reicht weit zurück.

Bereits 1357 wird ein mansus mit dem Namen Alberinclo genannt, der an das Kloster Marienfeld verkauft wurde.[1]

1450 erwarb das Kloster weiteres Land bei Untiedt, genannt Alberinclo. Wie und wann es zu dem Namenswechsel kam, ist bislang nicht geklärt.

Seit dem 15. Jahrhundert befand sich der Hof Untiedt im Kirchspiel Altahlen im Besitz des Klosters Marienfeld. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte er dem Kloster und zählte zu den kleineren Höfen der Bauernschaft Borbein.[1]

1636 nahm der dem Kloster eigenhörige und als Zeller bezeichnete Untiedt ein Darlehen von 55 Reichstalern auf. Der Schuldschein blieb bis in das 18. Jahrhundert bestehen.

1694 wird der Hof als Untiedts Erbe bezeichnet. Im selben Jahr berichtete der Rentmeister des Klosters, dass der Hof ohne Inhaber sei und das dortige Haus durch einen Windsturm zerstört worden sei.

Ab 1695 wurde die Hofstelle wieder besiedelt und anschließend erneut insgesamt verpachtet.[1]

Neubau von 1783

Nur 88 Jahre später musste erneut ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet werden.

Nach der Inschrift auf dem Torbalken wurde das ältere Haus am 17. Juni 1783 durch ein Unwetter schwer beschädigt beziehungsweise zerstört. Noch im selben Jahr entstand der bis heute erhaltene Neubau.[1]

Das Gebäude wurde als traditionelles Längsdielenhaus errichtet.

Die tragende Konstruktion besteht aus einem Vierständergerüst mit zehn Gefachen und aufgelegten Dachbalken. Die Umfassungswände wurden dreifach verriegelt und an den Gefügeständern durch lange Fußstreben ausgesteift.

Die beiden Giebeldreiecke kragen über kleinen Konsolknaggen vor. Das Dach ist mit Tonpfannen gedeckt.[1]

Wirtschaftsteil

Der Wirtschaftsteil umfasst sechs Gefache.

Die über ein Tor im Wirtschaftsgiebel befahrbare Längsdiele besitzt einen Vorschauer und ist mit großen Sandsteinplatten ausgelegt.

Seitlich der Diele lagen die Stallbereiche. Im späteren 19. Jahrhundert wurden die Seitenschiffe durch vorgezogene Längswände verbreitert. Teile der ursprünglichen Konstruktion blieben dabei erhalten.[1]

Wohnbereich und Herdküche

Diele und Wohnbereich sind durch eine Fachwerkwand voneinander getrennt und über eine breite Türöffnung verbunden.

Das Zentrum des Wohnbereiches bildet die große Herdküche. Sie reicht mit zwei hohen Luchten durch die gesamte Breite des Hauses und wird von beiden Seiten belichtet.

In der Mitte der Trennwand zum Kammerfach steht der gemauerte Kaminstapel. Vor diesem befand sich ursprünglich das offene Herdfeuer.

Die Herdwand wurde mit Sandsteingewänden gestaltet und darüber mit holländischen Fliesen verkleidet. Über der Feuerstelle befindet sich ein großer hölzerner Rauchfang mit abgeschrägten Ecken.[1]

Auch der Boden der Küche besteht aus großformatigen Sandsteinplatten.

An der östlichen Seitenwand hat sich zudem die historische Hauspumpe erhalten.

Veränderungen

Das Bauernhaus ist in ungewöhnlich großem Umfang in seiner historischen Substanz erhalten.

Neben dem Bauzustand von 1783 ist insbesondere eine umfangreiche Modernisierungsphase aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch gut ablesbar.[1]

Zu den erhaltenen historischen Details gehören unter anderem:

  • die Herdstelle mit Rauchfang und Herdwand,
  • historische Türen,
  • Fenster,
  • die Ausfachungen der Außenwände,
  • sowie wesentliche Teile der ursprünglichen Raumstruktur.

Im 20. Jahrhundert wurden die Stallseitenschiffe verbreitert. Um 1950 entstand am nördlichen Giebel ein halb eingetiefter Außenkeller mit Flachdach.

Dieser Außenkeller gehört nicht zum Denkmalumfang.[1]

Hofanlage und Garten

Die Zufahrt zur Hofstelle erfolgt von Süden, aus Richtung Ahlen. Der Wirtschaftsgiebel des Haupthauses ist genau auf diese Zufahrt ausgerichtet.

Südwestlich der Hofstelle befindet sich ein Teich.

Östlich des Bauernhauses liegt ein großer rechteckiger Garten.[1]

Neben dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude gehörten bereits früh weitere Wirtschaftsgebäude zur Hofstelle. Auf dem Urkatasterplan sind zwei kleinere Nebengebäude erkennbar.

Um 1900 wurden ältere Wirtschaftsgebäude durch Neubauten ersetzt. Diese Entwicklung war für die Region typisch und spiegelte die steigenden landwirtschaftlichen Erträge dieser Zeit wider.

Bansenscheune

Die um 1900 errichtete Bansenscheune gehört ebenfalls zum Denkmalumfang.

Es handelt sich um einen Fachwerkbau mit Backsteinausfachungen unter einem pfannengedeckten Satteldach.[1]

Für den Bau wurden in größerem Umfang starke Eichenbalken eines zuvor abgebrochenen Gebäudes wiederverwendet.

Die Scheune diente vor allem der Lagerung der Ernte.

Sie besitzt eine mittige Querdurchfahrt mit großen Toreinfahrten an beiden Längsseiten. Vor den beiden zum Hof gerichteten Giebeln befindet sich jeweils eine weitere niedrigere Einfahrt.

Äußerlich folgt das Gebäude mit Fachwerkwänden und Satteldach traditionellen Bauformen. Im Inneren wurde jedoch ein für die Entstehungszeit modernes Tragwerk eingesetzt.[1]

Denkmalschutz

Denkmalwert besitzen das Wohn- und Wirtschaftsgebäude von 1783 sowie die um 1900 errichtete Bansenscheune.

Nicht zum Denkmal gehören der um 1950 errichtete Außenkeller sowie weitere jüngere Nebengebäude.

Schuppen, Schweinestall und der Garten östlich des Bauernhauses wurden von der Denkmalpflege als erhaltenswerte Bausubstanz beziehungsweise als erhaltenswerter Bestandteil der Hofanlage bewertet.[1]

Die Hofanlage gilt als bedeutendes und anschauliches Zeugnis der bäuerlichen Kultur im südlichen Münsterland sowie der historischen grundherrlichen Verhältnisse.

Besonders hervorgehoben wird der außergewöhnlich dichte Überlieferungszustand des Bauernhauses.

Sowohl das Kerngerüst von 1783 als auch spätere historische Veränderungen sind noch deutlich ablesbar.

Für die Erhaltung und Nutzung von Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie Bansenscheune liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche, insbesondere volkskundliche Gründe vor. Beim Haupthaus kommen zusätzlich baugeschichtliche Gründe hinzu.[1]

Sanierung

Ab 2019 wurde das Haupthaus umfassend nach den Vorgaben der Denkmalpflege saniert.[2]

Dabei wurde das historische Wohn- und Wirtschaftsgebäude zu zwei großzügigen Wohnungen umgebaut.

Die Sanierung erfolgte unter besonderer Berücksichtigung der erhaltenen historischen Bausubstanz.

Im Jahr 2020 war das Haupthaus fertiggestellt.[3]

Anschließend wurde auch die Bansenscheune saniert. Sie wird seitdem als Garage und für Abstellzwecke genutzt.

Landbaukulturpreis

Die Sanierung des Hofes wurde 2023 überregional ausgezeichnet.

Am 10. Mai 2023 erhielt der sanierte und zu zwei Wohnungen umgebaute Hof Breloh den 2. Preis beim Landbaukulturpreis 2022/2023.[4]

Der Preis wurde von der Stiftung Landwirtschaftsverlag Münster im Deutschen Architekturzentrum in Berlin verliehen.

Die Planung und Betreuung der Sanierung lag beim Architekten Christian Tripp.

Mit dem Landbaukulturpreis werden Gebäude mit landwirtschaftlichem Hintergrund ausgezeichnet, die durch eine hochwertige architektonische Gestaltung, eine zeitgemäße Nutzung und einen positiven Beitrag zur umgebenden Kulturlandschaft überzeugen.

Bedeutung

Der Hof Breloh verbindet mehrere Jahrhunderte bäuerlicher Geschichte.

Die Hofstelle lässt sich mindestens bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Das erhaltene Haupthaus von 1783 dokumentiert traditionelle Bau-, Wohn- und Wirtschaftsformen, während spätere Veränderungen die Entwicklung der Landwirtschaft und der bäuerlichen Lebensweise nachvollziehbar machen.

Die denkmalgerechte Sanierung und neue Wohnnutzung zeigt zugleich, wie historische Hofanlagen erhalten und zeitgemäß weitergenutzt werden können.

Quellen

  1. ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2016 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  2. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2019 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  3. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2020 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  4. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2023 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2016 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2019 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2020 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2023 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.