Gebrüder Beumer

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Gebrüder Beumer
Anschrift Warendorfer Str. 10 / Lütkeweg
59227 Ahlen
Branche Emailleproduktion
Gründungsdatum 1883
Auflösungsdatum 1968
Auflösungsgrund Betriebseinstellung
Inhaber Johannes, Heinrich und Bernhard Beumer


Die Firma Gebrüder Beumer (Stanz- und Emaillierwerk) war eines der Pionierunternehmen der Emaille-Industrie in Ahlen. Sie ist historisch streng von der 1935 gegründeten Maschinenfabrik Beumer Group (Fördertechnik) zu unterscheiden.

Geschichte

Gründung und frühe Phase (1883–1900)

Das Unternehmen wurde im Jahr 1883 durch die Brüder Johannes, Heinrich und Bernhard Beumer gegründet. Damit war es nach den Westfälischen Stanz- und Emaillierwerken (Kerkmann, 1877) das zweite Werk dieser Art in der Stadt.[1] Der erste Betriebssitz befand sich an der Warendorfer Straße 10, inmitten des damals noch von Ackerbürgern geprägten Stadtgebiets.

In dieser frühen Industrialisierungsphase kamen die Arbeitskräfte noch zu einem großen Teil aus der näheren Umgebung der Stadt, da das Einzugsgebiet für die damals noch kleineren Betriebe ausreichte.[2]

Expansion am Lütkeweg (ab 1904)

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Branche und der verbesserten Infrastruktur durch die Köln-Mindener Eisenbahn stieß das Werk an der Warendorfer Straße an seine Grenzen. Im Jahr 1904 erfolgte eine großzügige Erweiterung der Fabrikation zum Lütkeweg hin.[3]

Dieser Schritt war bezeichnend für die „zweite Industrialisierungsphase“ Ahlens: Gebrüder Beumer gehörte damit zu den ersten Unternehmen, die das Gelände südlich der Bahnlinie industriell erschlossen. Wie die benachbarte Firma Herding & Mentrup profitierte Beumer dabei von der direkten Bahnanbindung für den Kohle- und Blechtransport sowie von der 1899 eingeführten elektrischen Energie, die den Betrieb schwerer mechanischer Stanzpressen ermöglichte.[4]

Entwicklung in den Kriegsjahren und Nachkriegszeit

Während des Ersten Weltkrieges kam es wie in der gesamten Ahlener Metallindustrie zu massiven Einberufungen, was die Produktion zunächst hemmte.[5] Später wurde das Werk in die Kriegswirtschaft eingebunden.

In der Zwischenkriegszeit behauptete sich die Firma im harten Wettbewerb der Ahlener Emaille-Werke. Nach 1945 erschwerten zunächst Rohstoffmangel und die schwierige Ernährungslage der Arbeiter den Neuanfang, bevor das „Bergarbeiterpunkteprogramm“ ab 1947 für neue Absatzimpulse sorgte.[5]

Ende des Unternehmens (1968)

Die Konkurrenz durch moderne Werkstoffe wie Edelstahl und Kunststoffe sowie der allgemeine Strukturwandel in der Haushaltswarenindustrie führten in den 1960er Jahren zum Niedergang vieler klassischer Emaillierwerke. Im Jahr 1968 stellte die Firma Gebrüder Beumer den Betrieb endgültig ein.

Fotos

Quellen

  • Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt Ahlen im 19. und 20. Jahrhundert, in: Gesichter einer Stadt, S. 143–156.
  • Emaille-Industrie in Ahlen seit 1877, Herausgegeben von der Stadt Ahlen, 1987.
  • Ahlen 1870-1914, S. 93.

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt, S. 143.
  2. Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt, S. 154.
  3. Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt, S. 147.
  4. Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt, S. 150.
  5. 5,0 5,1 Wolfgang Muth: Von der Ackerbürgergemeinde zur Industriestadt, S. 152.