Ein ganz eigener Schlag

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Buchdetails
Veröffentlichung 1997
Verlag Klartext-Verl., Essen
Autor Michael Huhn
ISBN13 3-88474-645-6

Inhalt

Stadtteilgeschichtliche Darstellung über Kolonie und Zeche Westfalen in Ahlen nach 1945. Das Buch verbindet Zeitzeugenberichte mit Archivquellen und Auswertungen der Ahlener Tageszeitungen und setzt die Darstellung nach Uwe Rennspieß’ „Jenseits der Bahn“ fort.

Herausgegeben von der Stadt Ahlen.

Bibliografische Angaben

  • Titel: Ein ganz eigener Schlag
  • Untertitel: Kolonie und Bergwerk Westfalen: Leben und Arbeit in Ahlen nach 1945
  • Autor: Michael Huhn
  • Auflage: 1. Auflage, November 1997
  • Erscheinungsort / Verlag: Essen : Klartext-Verl., 1997
  • ISBN: 3-88474-645-6
  • CIP-Einheitsaufnahme: Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Impressum

  • Text- und Bildredaktion: Nicole Welbrink
  • Gesamtherstellung: D & V, Leipzig
  • Satz: Digiprint, Erfurt
  • Lithographie: Digiprint, Erfurt
  • Druck und Bindung: Magdeburger Druckerei
  • © Klartext Verlag, Essen 1997 (Alle Rechte vorbehalten)

Inhaltsverzeichnis

Abschnitt Titel Seite
Vorwort Vorwort 7
Ein schwerer Neubeginn
Karsamstag 1945 – Eine Chance zum Neubeginn 9
Morgen kommt der Schornsteinfeger – Wie die Ahlener das Kriegsende erlebten 13
Endlich frei! – Die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen werden entlassen 19
Die Alliierten räumen auf – Die Maßnahmen der Militärregierung 21
Otto Normalverbraucher bekommt 1.400 Kalorien – Der Kampf ums tägliche Überleben 26
Die 1940er Zeiten – An die Währungsreform erinnern sich alle 32
Des Bergmanns schmutzige Wäsche 35
Herzenswünsche auf Pump – In den 50ern geht es langsam aufwärts 39
Die Zeche Westfalen
Kohle machen um jeden Preis – Aufschwung trotz schlechtester Voraussetzungen 42
Eine Bestandsaufnahme nach Kriegsende 43
Der eine zu Radbod, der nächste zu Westfalen – Die erste Belegschaft nach Kriegsende 45
Die erste Kohlenkrise und jede Menge Neuerungen – Die Zeche in den 50ern 51
Die Zeche feiert ihre Jubilare 58
„kommen, holen, bringen, geben“ – Die ersten „Gastarbeiter“ kommen nach Ahlen 61
Das Weihnachtsgeld des Bergmanns 63
„Bergmechaniker“ und enthauptete Schachtgerüste – Die Zeche verändert sich 65
Der Gebirgsschlag im Flöz Sonnenschein 73
Ahlen politisch
Der Kumpel macht Politik – Gewerkschaft und Betriebsrat auf Zeche Westfalen 75
Die Wiederbewaffnung 87
Immer wieder Kopf-an-Kopf-Rennen – Politik in Ahlen ist spannend 91
Die kommunistische Tradition Ahlens 96
Wohnen in Ahlen
Pro Kopf fünf Quadratmeter – Wohnen in den Nachkriegsjahren 108
Plötzlich ein großes Thema – Die Wohnsituation der „Gastarbeiter“ 113
Kohlefuhrfrau Karola Büttgen 118
„Bürgerinitiative Plumpsklo“ – Die Kolonie wird renoviert 121
Die schönen Seiten des Ahlener Lebens
„Hier schöpft man Atem“ – Wenn die Zeche des Bergmanns Urlaub bezahlt 126
Drehscheibe, Taubenkasper und flinke Jungs 130
„Die Grundlage der Pfarrgemeinde!“ – Die KAB St. Josef 132
Eine Kneipe mit Geschichte – Der Westfalenhof 140
Wenn der Rosenmontag auf einen Sonntag fällt… 156
Die neue Heimat Ahlen 165
Zeittafel Zeittafel 176
Quellenverzeichnis Quellenverzeichnis 188
Bildnachweis Bildnachweis 190

Vorwort

„Jetzt hör mir mal zu, jetzt erzähl ich dir mal, wie das wirklich war, du kannst das ja nicht wissen, du warst ja nicht dabei." Wir saßen in der kleinen, gemütlichen Küche eines Hauses an der Drehscheibe, und der altgediente Bergmann mir gegenüber erzählte und erzählte. Er hatte recht: Ich konnte nur zuhören und hier und da fragen. Denn es war sein Leben und seine Welt, die in seinen Erinnerungen, in all den Geschichten lebendig wurden. Ich war nur der Stadtteilhistoriker und in meiner Arbeit auf die Mitarbeit der Leute vor Ort angewiesen. Die war, jedenfalls bei den Älteren, überwältigend. Wenn ich anschellte und mich vorstellte, nahmen sie sich alle Zeit der Welt für mein Anliegen. Und sie redeten nicht drum herum, sondern sagten, was sie dachten: über Arbeitsbedingungen auf dem Pütt, über „die" Türken und über meine Arbeit. Am Ende schickten sie mich weiter zum Nächsten. Das abgegriffene Wort „ein ganz eigener Schlag" – es stimmt.

Das war besonders im monatlichen Geschichts-Gesprächskreis der Volkshochschule im Glückaufheim spürbar. So gut die Häuser und Straßen auch renoviert worden sind – das eigentliche Prunkstück der Kolonie sind und bleiben ihre Bewohner.

Vor sieben Jahren kam ich nach Ahlen, um die Geschichte der Zeche Westfalen und der Kolonie seit 1945 zu erforschen. Die Fertigstellung des Buches dazu zog sich länger als erhofft hin, es wird deshalb von vielen in der Kolonie in Ahlen mit verständlicher Ungeduld erwartet.

Die Stadt Ahlen hat – nicht zuletzt auf Initiative des jüngst in den Ruhestand getretenen Kulturdezernenten Christian Schmidt-Casdorff – ihre jüngere Geschichte auf eine beispielhafte und überregional beachtete Weise erforschen und darstellen lassen. Das Buch ist ein Beitrag dazu und eine Fortführung des Buches „Jenseits der Bahn" von Uwe Rennspieß. Es setzt da ein, wo mein Vorgänger aufgehört hat (mit dem Kriegsende 1945), und führt bis an die jüngste Zeit.

Neben den Zeitzeugen stütze ich mich auf schriftliche Quellen, vor allem aus Archiven, und die Auswertung der Ahlener Tageszeitungen. Durch diese werden die Erinnerungen ergänzt und manchmal auch korrigiert (und umgekehrt).

So sind es sehr viele, die dazu beigetragen haben, daß das Buch nunmehr erscheinen kann. Ihnen allen danke ich: den Zeitzeugen, allen, die Fotos zur Verfügung gestellt haben, dem Betriebsrat der Zeche Westfalen, den Redakteuren der beiden Ahlener Zeitungen (die zwischen 1991 und 1994 Vorarbeiten zu Teilen dieses Buches veröffentlicht haben), den Archivaren in Warendorf, Bochum, Münster, Herzogenrath und London, Rudolf Blauth, den man in Ahlen nicht vorstellen muß, den „alten" Kollegen im Kulturamt der Stadt Ahlen, dem Mit-Historiker Rolf Schorfheide, Nicole Welbrink vom Klartext-Verlag, die das Lektorat und die Bildauswahl übernommen hat, und nicht zuletzt meinem Vater, der mir aus seiner langen Berufserfahrung alle Fragen zum Bergbaufach beantwortete.

Ein Letztes: Mich betrifft die ungewisse Zukunft der Kolonie nach der bevorstehenden Stillegung der Zeche nicht unmittelbar, doch sie bewegt mich. Ich weiß, welch schwere Zeiten ihre Bewohner gemeistert haben – und sie selbst wissen das erst recht. Daher kommt, bei mancher Bitterkeit, der Mut. Das Ende des Jahrhunderts der Zeche Westfalen ist nicht das Ende der Kolonie. Glückauf!

Michael Huhn