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Auf dem Westkamp 14

Aus AhlenWiki
Auf dem Westkamp 14
51.7692237.897217
Anschrift Auf dem Westkamp 14



Baujahr 1925
Architekt Heinrich Schröder
Ursprüngliche Nutzung Wohnhaus
Heutige Nutzung Wohnhaus
Karte

Das Gebäude Auf dem Westkamp 14, auch als Wohnhaus Tovar bezeichnet, ist ein 1925 errichtetes herrschaftliches Wohnhaus. Es entstand für Johannes Tovar, Betriebsleiter des Emaillewerks Rollmann & Tovar, nach Plänen des Ahlener Architekten Heinrich Schröder.

Das Anwesen ist ein charakteristisches Beispiel für die gehobene bürgerliche Wohnkultur Ahlens in den 1920er-Jahren. Zum Denkmal gehören neben dem Wohnhaus auch ein gleichzeitig errichtetes Nebengebäude und die historische Grundstückseinfassung.

Baugeschichte

Das Wohnhaus wurde 1925 für Johannes Tovar errichtet, der als Betriebsleiter des Emaillewerks Rollmann & Tovar an der Ostbredenstraße 1 tätig war.[1]

Für den neuen Wohnsitz wurden zwei ursprünglich getrennt vorgesehene Bauplätze zu einem großzügigen Grundstück zusammengefasst. Dadurch konnte das Wohnhaus freistehend inmitten eines weitläufigen Gartens angeordnet werden.

Die Planung übernahm der Ahlener Architekt Heinrich Schröder.[1]

Zeitgleich mit dem Wohnhaus entstanden auch ein Nebengebäude und die straßenseitige Grundstückseinfassung. Damit war das Anwesen von Beginn an als zusammengehörige, repräsentative Gesamtanlage konzipiert.

Architektur

Das Wohnhaus ist ein zweigeschossiger, freistehender Backsteinbau über einem hohen Kellersockel.

Die Fassaden erhielten einen vorstehenden Fugenputz. Über dem Gebäude erhebt sich ein steiles, mit Schiefer gedecktes Vollwalmdach.[1]

In seiner äußeren Gestaltung folgt das Haus den Architekturvorstellungen des gehobenen Bürgertums der Zeit. Die Denkmalpflege ordnet den Bau der sogenannten heimatgebundenen Baupflege zu.

Diese Strömung griff bewusst auf traditionelle bürgerliche Bauformen der vorindustriellen Zeit zurück. Besonders die Architektur der Zeit um 1800 diente dabei als Vorbild.

Zu den prägenden Gestaltungselementen gehören:

  • der Backsteinbau,
  • der weitgehend symmetrische Aufbau,
  • die axiale Gliederung der Fassaden,
  • die Sprossenteilung der Fenster
  • sowie das steile Vollwalmdach.[2]

Während die äußere Erscheinung bewusst traditionelle Formen aufgreift, wurde das Innere nach moderneren Wohnvorstellungen der 1920er-Jahre gestaltet.

Grundriss und Innenräume

Vom Eingangsbereich gelangt man über eine Diele zur Geschosstreppe.

Das Treppenhaus wird durch große Fenster mit historischer Kunstverglasung belichtet.[1]

Im Erdgeschoss befindet sich auf der einen Seite die Küche mit angeschlossener Speisekammer. Zum Garten orientieren sich das Speisezimmer und das große zentrale Wohnzimmer.

Besonders hervorgehoben wird das Wohnzimmer durch einen halbrund aus der Gartenfassade vortretenden Erker. Daneben befindet sich ein weiterer kleinerer Wohnraum.

Im Obergeschoss gruppieren sich die privaten Schlaf- und Badezimmer um eine zentrale Vordiele.[1]

Diese Aufteilung verdeutlicht den repräsentativen Anspruch des Hauses: Die gemeinschaftlich und gesellschaftlich genutzten Räume lagen im Erdgeschoss, während sich die privaten Bereiche überwiegend im Obergeschoss befanden.

Nebengebäude

Südwestlich des Wohnhauses entstand gleichzeitig ein eingeschossiges Nebengebäude.

Es wurde gestalterisch auf das Haupthaus abgestimmt und ebenfalls in Backstein ausgeführt. Über einem Drempel erhielt das Gebäude ein Vollwalmdach.[1]

Untergebracht waren hier ursprünglich

  • eine Garage,
  • ein Stall
  • sowie eine Futterküche.

Damit dokumentiert das Nebengebäude zugleich die Übergangszeit, in der das Automobil bereits zum Lebensstil einer wohlhabenden Familie gehörte, gleichzeitig aber noch traditionelle Formen der Tierhaltung zum Haushalt gehörten.

Grundstückseinfassung

Zur Straße wird das Anwesen durch einen historischen Eisenzaun zwischen Backsteinpfeilern eingefasst.

Die Einfriedung wurde bereits zusammen mit dem Wohnhaus geplant und gehört deshalb ebenso wie das Nebengebäude zum denkmalgeschützten Gesamtbestand.[1]

Veränderungen

Um 1960 wurde an der südöstlichen Gebäudeecke ein eingeschossiger Wintergarten angebaut. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Fenster der Seitenfassade verändert.[1]

Der Wintergarten gehört nicht zum Denkmalumfang.

Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt wurde das ursprünglich als einheitlicher Wohnsitz errichtete Gebäude in ein Etagenwohnhaus umgewandelt.

Dabei wurde hinter der Geschosstreppe eine verglaste Zugangstür eingesetzt. Der ursprüngliche Windfang wurde ausgebaut, blieb jedoch erhalten.

Die meisten historischen Kastenfenster wurden später in angepasster Form erneuert. Auch das Dach erhielt zusätzliche Gauben für Wohnzwecke.[1]

Nach Bewertung der Denkmalpflege beeinträchtigen diese Veränderungen den historischen Charakter des Hauses jedoch nicht wesentlich.

Im Inneren blieben zahlreiche historische Bauteile erhalten. Dazu gehören unter anderem

  • die hölzerne Geschosstreppe,
  • die Kunstverglasung des Treppenhauses
  • und historische Zimmertüren.

Denkmalschutz

Das Anwesen wurde am 8. Februar 2010 unter der Denkmalnummer 287 in die Denkmalliste der Stadt Ahlen eingetragen.[3]

Der Denkmalumfang umfasst

  • das Hauptgebäude ohne den späteren Wintergarten,
  • das Nebengebäude
  • und die historische Grundstückseinfassung.[1]

Die Anlage gilt als anschauliches Beispiel für die Lebens- und Wohnverhältnisse der gesellschaftlichen Oberschicht Ahlens nach dem Ersten Weltkrieg.

Von besonderer Bedeutung ist dabei die Verbindung zur Ahlener Emailindustrie. Mit Johannes Tovar als Betriebsleiter von Rollmann & Tovar bestand ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Wohnhaus und einem der damaligen Industriebetriebe der Stadt.

Die Lage des großzügigen Wohnsitzes außerhalb der unmittelbaren Nähe des Arbeitsplatzes dokumentiert zugleich eine Veränderung der Lebensweise wohlhabender Bürger. Durch die zunehmende Verbreitung des Automobils war es möglich geworden, Wohnort und Arbeitsplatz stärker voneinander zu trennen.[1]

Für die Erhaltung und Nutzung des Anwesens liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche, insbesondere baugeschichtliche, sowie volkskundliche Gründe vor.

Restaurierung und Erhaltung

Das Anwesen wurde über viele Jahre schrittweise denkmalgerecht instand gesetzt.

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals 2018 wurde hervorgehoben, dass die Eigentümer das großelterliche Wohnhaus über einen langen Zeitraum mit besonderem Augenmerk auf die historisch wertvollen Details saniert und restauriert hatten.[2]

Mehrere dieser Maßnahmen wurden durch die Denkmalförderung unterstützt.

2012 wurde die Restaurierung der historischen Grundstückseinfassung gefördert.[4]

2015 folgten Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten an einer historischen Wandbemalung.[5]

2017 wurden die Verfugung der Fassade und die Restaurierung des Eingangsbereichs unterstützt.[6]

2018 folgten weitere Arbeiten an der historischen Wandgestaltung.[7]

Im selben Jahr wurde das Wohnhaus beim Tag des offenen Denkmals für Besucher geöffnet. Führungen durch den Eigentümer ermöglichten dabei auch Einblicke in das ansonsten private Gebäude.[2]

2023 wurde außerdem die Restaurierung der historischen Haustür finanziell unterstützt.[8]

Bedeutung

Das Wohnhaus Tovar verbindet mehrere Aspekte der Ahlener Stadtgeschichte.

Es dokumentiert einerseits die Entwicklung der Wohnkultur des wohlhabenden Bürgertums während der 1920er-Jahre und andererseits den wirtschaftlichen Aufstieg Ahlens als Industriestadt.

Die repräsentative Architektur, das großzügige Grundstück und die hochwertige Innenausstattung spiegeln die gesellschaftliche Stellung des Bauherrn wider. Gleichzeitig steht das Anwesen über Johannes Tovar in unmittelbarer Verbindung mit der Geschichte der Ahlener Emailindustrie.

Durch den weitgehenden Erhalt von Wohnhaus, Nebengebäude, Einfriedung und zahlreichen historischen Ausstattungsdetails lässt sich der ursprüngliche Charakter der Anlage bis heute nachvollziehen.

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2010 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 Kreis Warendorf – Der Landrat, Obere Denkmalbehörde: Tag des offenen Denkmals – Entdecken, was uns verbindet, Heft Nr. 24, Warendorf 2018, S. 6–7.
  3. ↑ Stadt Ahlen: Denkmalliste – Baudenkmäler ohne Siedlungen, Eintrag Auf dem Westkamp 14.
  4. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2012 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  5. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2015 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  6. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2017 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  7. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2018 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  8. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2023 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.

Literatur

  • Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2010 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
  • Kreis Warendorf – Der Landrat, Obere Denkmalbehörde: Tag des offenen Denkmals – Entdecken, was uns verbindet, Heft Nr. 24, Warendorf 2018.