Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein
Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein
Der Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein e.G.m.u.H. war eine genossenschaftliche Kreditkasse in Ahlen. Er wurde am 17. Februar 1884 gegründet und bildete den ältesten Ursprung der späteren Volksbank Ahlen.
Die Gründung erfolgte im Geist Friedrich Wilhelm Raiffeisens. Ziel war es, durch genossenschaftliche Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung insbesondere Landwirten, Handwerkern, Gewerbetreibenden und kleinen Betrieben Zugang zu Krediten und sicheren Sparmöglichkeiten zu verschaffen.
Aus dem Verein entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts die Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Nach mehreren Fusionen mit den Spar- und Darlehnskassen in Dolberg, Walstedde und Vorhelm verschmolz sie 1980 mit der Ahlener Volksbank zur Volksbank Ahlen eG.
Vorgeschichte
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich Ahlen wirtschaftlich stark. Die Emailleindustrie, der Strontianitbergbau, neue Fabrikbetriebe, das Baugewerbe und ein wachsender Bedarf an Kapital führten zu neuen wirtschaftlichen Anforderungen.
Für viele Landwirte, Handwerker und kleinere Gewerbetreibende war es schwierig, an Kredite zu gelangen. Genossenschaftliche Darlehnskassen nach dem Vorbild Friedrich Wilhelm Raiffeisens boten hierfür eine Lösung. Sie beruhten auf dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe: Die Mitglieder trugen gemeinsam Verantwortung und stärkten durch Einlagen und Haftung die Kreditfähigkeit des Vereins.
Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung ländlicher Genossenschaften in Westfalen spielte der Westfälische Bauernverein. In den 1880er Jahren entstanden in vielen Orten Spar- und Darlehnskassen-Vereine.
Gründung 1884
Am Sonntag, dem 17. Februar 1884, gründeten 14 Ahlener Bürger im Gesellenhaus den Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein e.G.m.u.H.. Kurz darauf berichtete die Beckumer Zeitung, dass in einer öffentlichen Versammlung Martin Faßbender, stellvertretender Anwalt der Neuwieder Genossenschaftsorganisation, Zweck und Vorteile solcher Kassen erläutert habe. Daraufhin meldeten sich etwa 30 Personen zum Beitritt.
Damit besaß Ahlen neben der bereits 1846 eröffneten Städtischen Sparkasse ein weiteres Geldinstitut.
Gründer
Zu den 14 Gründern gehörten:
| Name | Beruf / Stand |
|---|---|
| Franz Heitemeyer | Rektor |
| Bernhard Osthues gen. Schulze-Beerhorst | Landwirt |
| Josef Hoselmann | Rentner |
| Franz Busch | Bauer |
| Josef Rosendahl | Bauer |
| Ferdinand Overhage | Fabrikarbeiter |
| B. H. Beumer jun. | Kaufmann |
| Wilhelm Krämer | Bauunternehmer |
| August Hoselmann-Steltig | Landwirt |
| Franz Starp-Avenhövel | Bauer |
| Theodor Wißling | Bauer |
| Bernhard Brehloh | Bauer |
| Theodor Schulze Horsel | Bauer |
| Georg Huesmann | nicht überliefert |
Von den 14 Gründungsmitgliedern gehörte die Mehrheit dem bäuerlichen beziehungsweise landwirtschaftlichen Bereich an. Daneben waren aber auch Kaufleute, Handwerker und ein Fabrikarbeiter vertreten.
Franz Heitemeyer als Initiator
Als Initiator der Gründung gilt Franz Heitemeyer, Rektor der Ahlener Rektoratsschule und katholischer Geistlicher. Er hatte den Gedanken einer genossenschaftlichen Spar- und Darlehnskasse in Ahlen maßgeblich angestoßen.
Heitemeyer stand nach zeitgenössischer Einschätzung in engem Kontakt zur ländlichen Bevölkerung. Sein Einsatz für die Gründung der Kasse wird vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Not vieler Landwirte und Handwerker verstanden. Durch die genossenschaftliche Kreditvergabe sollten diese Gruppen unabhängiger von privaten Geldgebern und Wucherzinsen werden.
Erster Rendant Stephan Nahrath
Erster Rendant des Vereins wurde Stephan Nahrath. Er führte die Kassen- und Kreditgeschäfte von der Gründung im Jahr 1884 bis 1922. Damit prägte er die ersten 38 Jahre der Bankgeschichte maßgeblich.
Die Geschäfte wurden zunächst in seinem Haus an der Oststraße 2 geführt. Nahrath übte das Amt lange ehrenamtlich aus. Erst 1922 wurde mit Wilhelm Heising ein hauptamtlicher Rendant gewählt.
Erste Entwicklung
Bereits in den ersten Jahren entwickelte sich der Verein deutlich. Für 1884 wurden Einlagen von 60.000 Mark und eine Bilanzsumme von 80.500 Mark genannt. Das Betriebskapital wurde in den folgenden Jahren mehrfach erhöht.
| Jahr | Entwicklung |
|---|---|
| 1885 | Einlagen von 60.000 Mark und Bilanzsumme von 80.500 Mark |
| 1886 | Erhöhung des Betriebskapitals auf 250.000 Mark |
| 1887 | Erhöhung des Betriebskapitals auf 400.000 Mark |
| 1895 | Erhöhung des Betriebskapitals auf 500.000 Mark |
| 1897 | Erhöhung des Betriebskapitals auf 700.000 Mark |
Die Mitgliederzahlen stiegen ebenfalls. Im Jahr 1887 wurden 215 Mitglieder genannt.
Anschluss an die Ländliche Centralkasse
Am 18. Mai 1884 beschlossen die Mitglieder in einer außerordentlichen Generalversammlung, der zu gründenden Ländlichen Centralkasse in Münster beizutreten. Der Vorstand wurde ermächtigt, fünf Aktien zu je 500 Mark zu zeichnen.
Die Ländliche Centralkasse wurde am 11. Juli 1884 von 27 Spar- und Darlehnskassen-Vereinen gegründet. Der Ahlener Verein gehörte damit zu den frühen westfälischen Raiffeisenkassen, die sich einer übergeordneten genossenschaftlichen Zentralorganisation anschlossen.
Generalversammlungen
Die Generalversammlung war das zentrale Organ der genossenschaftlichen Selbstverwaltung. Vorstand und Aufsichtsrat legten dort Rechenschaft ab, wichtige Beschlüsse wurden den Mitgliedern vorgelegt.
Zu den regelmäßig behandelten Themen gehörten:
- Rechnung und Bilanz
- Entlastung von Vorstand, Aufsichtsrat und Rendant
- Wahlen zu Vorstand und Aufsichtsrat
- Festsetzung von Gehältern und Vergütungen
- Zinssätze für Einlagen und Darlehen
- Erhöhung des Betriebskapitals
- Satzungsänderungen
- Festsetzung von Beleihungs- und Kreditgrenzen
Die Protokolle zeigen, dass viele Generalversammlungen sehr sachlich und kurz verliefen. Teilweise wurden Beschlüsse einstimmig oder per Akklamation gefasst.
Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg
Bis zum Ersten Weltkrieg war der Spar- und Darlehnskassen-Verein fest in Ahlen verankert. Die Bank unterstützte Landwirtschaft, Handwerk und kleinere Gewerbebetriebe in einer Phase starken wirtschaftlichen Wandels.
Die Stadt Ahlen entwickelte sich in dieser Zeit von einer ackerbürgerlich geprägten Stadt zu einem Industriestandort. Neben Landwirtschaft und Handwerk gewannen die Emailleindustrie, Maschinenfabriken, Ziegeleien, Schuhfabriken und weitere Gewerbezweige an Bedeutung. Der Verein war damit Teil der lokalen Wirtschaftsgeschichte.
1909 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen. In diesem Jahr betrug die Bilanzsumme 994.459,86 Mark, der Reingewinn 432,99 Mark und der Reservefonds 33.591,89 Mark.
Erster Weltkrieg und Inflation
Während des Ersten Weltkriegs und der anschließenden Inflationszeit musste der Verein seine wirtschaftlichen Grundlagen mehrfach anpassen.
1918 beschloss die Generalversammlung, das Betriebskapital auf 4 Millionen Mark zu erhöhen. Die Beleihungsgrenze an eine Person wurde auf 150.000 Mark festgesetzt.
1919 folgte eine weitere Erhöhung des Betriebskapitals auf 6 Millionen Mark.
Im März 1922 legte Stephan Nahrath wegen seines fortgeschrittenen Alters das Amt des Rendanten nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Wilhelm Heising vom Beckumer Spar- und Darlehnskassen-Verein gewählt.
Während der Hyperinflation wurde die Festsetzung des Betriebskapitals auf Papiermark-Basis unhaltbar. Am 8. Dezember 1923 beschloss die Generalversammlung, das Betriebskapital auf 3 Millionen Festmark festzusetzen. Die Beleihungsgrenze für einzelne Mitglieder wurde auf 100.000 Goldmark festgelegt.
Währungsstabilisierung und 1920er Jahre
Nach der Währungsstabilisierung musste der Verein seine Kapitalgrundlagen neu ordnen. 1924 wurden die Papiermark-Bilanz und die Goldmark-Bilanz genehmigt. Der Geschäftsanteil wurde auf 500 Goldmark festgesetzt.
1925 genehmigte die Generalversammlung den Kauf des Grundstücks Nordstraße 40. Dieses Gebäude wurde zum neuen Standort der Kasse.
In den 1920er Jahren wuchs die Bilanzsumme weiter:
| Jahr | Bilanzsumme |
|---|---|
| 1926 | 1.561.408,27 RM |
| 1927 | 1.933.799,12 RM |
| 1928 | 2.087.699,20 RM |
| 1930 | 2.418.110,60 RM |
| 1931 | 2.693.949,77 RM |
Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen wurde die Geschäftsführung des Vereins in den Protokollen mehrfach positiv bewertet.
Zeit des Nationalsozialismus
1933 beschloss die Generalversammlung den Ankauf des Gebäudes der Deutschen Bank und Diskonto-Bank an der Gerichtsstraße 22. Die Verwaltung wurde zugleich mit dem Verkauf des alten Kassengebäudes beauftragt.
Im selben Jahr wirkten sich die politischen Veränderungen auch auf den Verein aus. Infolge der Gleichschaltung stellten alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder ihre Ämter zur Verfügung. Die Generalversammlung wählte anschließend einen neuen Vorstand und Aufsichtsrat.
Für den Vorstand wurden vorgeschlagen und gewählt:
- Bernhard Schulze Beerhorst, Vorsitzender
- August Tovar, Fabrikant, Stellvertreter
- Carl Balhorn, Kaufmann
- Heinrich Halene, Landwirt
- Theodor Seiling, Landwirt
Für den Aufsichtsrat wurden vorgeschlagen und gewählt:
- Heinrich Busch, Landwirt, Vorsitzender
- Anton Köckmann, Kaufmann, Stellvertreter
- Bernhard Koch, Landwirt
- Theodor Hachmann, Landwirt
- Bernhard Schulze Geisthövel, Landwirt
Am 17. Februar 1934 beging der Verein sein 50-jähriges Bestehen.
Zweiter Weltkrieg
Auch während des Zweiten Weltkriegs fanden Generalversammlungen statt. Die Bilanzsummen stiegen in dieser Zeit stark an, was jedoch im Zusammenhang mit Kriegswirtschaft und Geldmengenentwicklung zu sehen ist.
| Jahr | Bilanzsumme | Reingewinn |
|---|---|---|
| 1939 | 4.944.815,30 RM | 25.656,48 RM |
| 1940 | 6.331.200,57 RM | 29.396,04 RM |
| 1941 | 7.861.983,04 RM | nicht genannt |
| 1942 | 10.347.180,99 RM | 51.576,75 RM |
| 1943 | 12.397.275,02 RM | 91.124,57 RM |
| 1944 | 15.056.142,52 RM | nicht genannt |
Im Jahr 1945 fand keine Generalversammlung statt. Die Bilanzzahlen wurden später vorgelegt.
Nachkriegszeit
Am 4. Januar 1946 fand im Gasthof Baran-Klostermann eine außerordentliche Generalversammlung statt. Auf Anweisung des Prüfungsverbandes in Münster mussten Vorstand und Aufsichtsrat neu gewählt werden. Die Wahl erfolgte mit Genehmigung des Landrats.
Vorgeschlagen und gewählt wurden unter anderem:
Vorstand:
- Dr. Franz Buschhoff, Fabrikant, stellvertretender Vereins-Vorsteher
- Johannes Quante, Maurermeister
Aufsichtsrat:
- Bernhard Rubbert, Vorsitzender
- Josef Rosendahl, Landwirt
- Theodor Freisfeld, Landwirt
Rendant Wilhelm Heising wurde wiedergewählt.
1947 wurde beschlossen, dass die Bank ab dem 1. Januar 1948 den Namen Spar- und Darlehnskasse e.G.m.u.H. in Ahlen führen sollte. Gleichzeitig wurde das Betriebskapital von 15 Millionen RM auf 20 Millionen RM erhöht.
Währungsreform und Neubeginn in DM
Nach der Währungsreform mussten die Reichsmark-Bilanzen und die DM-Eröffnungsbilanz neu festgestellt werden. Am 19. Dezember 1951 genehmigte die Generalversammlung die RM-Schlussbilanz zum 20. Juni 1948 sowie die DM-Eröffnungsbilanz zum 21. Juni 1948.
Die DM-Eröffnungsbilanz schloss mit 1.119.201,07 DM. Die Geschäftsguthaben wurden auf 10 Prozent ihres Reichsmark-Wertes neu festgesetzt. Der Geschäftsanteil wurde zunächst auf 20 DM festgesetzt, anschließend aber wieder auf 200 DM erhöht.
Die Jahresabschlüsse zeigten den Wiederaufbau der Bank:
| Jahr | Bilanzsumme | Reingewinn |
|---|---|---|
| 1948/1949 | 2.024.111,76 DM | 3.780,13 DM |
| 1950 | 2.765.168,74 DM | 7.667,19 DM |
| 1953 | 5.872.151,02 DM | 12.965,13 DM |
| 1954 | 7.856.960,37 DM | 15.014,13 DM |
| 1956 | 10.244.129,32 DM | 45.363,01 DM |
75-jähriges Bestehen 1959
Am 21. Mai 1959 fand im Theresienhof die Jubiläumsversammlung zum 75-jährigen Bestehen der Spar- und Darlehnskasse statt. 172 Mitglieder nahmen teil.
Die Bilanzsumme für 1958 betrug 9.749.582,63 DM, der Reingewinn 50.937,67 DM. An die Mitglieder wurde eine Dividende ausgeschüttet.
Umwandlung der Haftform 1960
Am 19. Juli 1960 beschloss die Generalversammlung die Umwandlung der Haftform von der unbeschränkten zur beschränkten Haftpflicht. Die Haftsumme betrug künftig 2.000 DM, der Geschäftsanteil 400 DM. Von diesem Geschäftsanteil waren 50 DM sofort einzuzahlen.
Damit wurde aus der bisherigen e.G.m.u.H. eine Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.
Weitere Entwicklung in den 1960er Jahren
In den 1960er Jahren wuchs die Bank weiter. Die Bilanzsumme stieg deutlich:
| Jahr | Bilanzsumme | Reingewinn |
|---|---|---|
| 1960 | 15.539.278,45 DM | 55.130,14 DM |
| 1961 | 18.311.208,08 DM | 90.526,30 DM |
| 1962 | 21.897.009,52 DM | 106.094,50 DM |
| 1963 | 27.070.704,04 DM | 117.814,37 DM |
| 1964 | 29.538.636,25 DM | 129.894,98 DM |
| 1965 | 31.707.272,69 DM | 142.305,02 DM |
1964 blickte die Spar- und Darlehnskasse auf 80 Jahre Bestehen zurück.
Fusion mit Dolberg 1968
Am 9. August 1968 beschloss eine außerordentliche Generalversammlung die Verschmelzung der Spar- und Darlehnskasse e.G.m.b.H. Dolberg mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Grundlage war der Verschmelzungsvertrag vom 25. Juli 1968.
Bankdirektor Axel Helling wurde in den Vorstand gewählt. Aus Dolberg kamen Alfons Weghake in den Vorstand und Bernhard Untiedt in den Aufsichtsrat.
Vertreterversammlung ab 1971
Am 25. Mai 1971 wurde eine Satzungsänderung beschlossen. An die Stelle der bisherigen Mitgliederversammlung trat künftig eine Vertreterversammlung. Dazu wurden 120 Mitgliedervertreter gewählt.
Diese Änderung entsprach der gewachsenen Größe der Bank und der steigenden Zahl der Mitglieder.
Fusion mit Walstedde 1972
Am 28. Dezember 1972 beschloss eine außerordentliche Vertreterversammlung die Verschmelzung der Spar- und Darlehnskasse e.G.m.b.H. Walstedde mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Grundlage war der Verschmelzungsvertrag vom 4. Dezember 1972.
Aus Walstedde wurden Heinrich Budde und Theodor Homann in den Aufsichtsrat gewählt. Außerdem wurden mehrere Vertreter aus Walstedde in den Beirat berufen.
Fusion mit Vorhelm 1974
Am 4. Dezember 1974 befasste sich eine außerordentliche Vertreterversammlung mit der Fusion der Spar- und Darlehnskasse Vorhelm e.G.m.b.H. mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Der Verschmelzungsvertrag datierte vom 7. November 1974.
Josef Fritzen aus Vorhelm wurde in den Aufsichtsrat gewählt. Weitere Personen aus Vorhelm wurden in den Beirat berufen.
Hauptstelle an der Weststraße
In den 1970er Jahren plante die Spar- und Darlehnskasse eine neue Hauptstelle an der Weststraße. Der Neubau entstand auf dem Gelände der ehemaligen Dechanei von St. Bartholomäus.
Das erste Modell des Neubaus wurde wegen seiner massiven Bauform kritisiert. Nach Einwänden von Architekten und Heimatpflegern wurde das Architekturbüro gewechselt. Das Büro Dustmann & Trappmann aus Bielefeld entwickelte einen neuen Entwurf mit Giebeln, versetzten Fronten, Klinker und Schiefer.
Noch im Sommer 1976 begann der Bau der neuen Hauptstelle. Das Gebäude prägte fortan den Bereich Weststraße/Kampstraße und wurde später zur Hauptstelle der Volksbank Ahlen.
Namensänderung 1977
Am 27. April 1977 beschloss die Vertreterversammlung die Änderung des Firmennamens von
Spar- und Darlehnskasse eG Ahlen
in
Spar- und Darlehnskasse Ahlen eG.
Fusion mit der Ahlener Volksbank 1980
Am 24. Juni 1980 befasste sich die Vertreterversammlung mit der Verschmelzung der Ahlener Volksbank mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen.
Die Fusion wurde mit 75 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen. Gleichzeitig wurde der neue Firmenname Volksbank Ahlen eG angenommen.
Damit endete die eigenständige Geschichte der Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Ihre Tradition wurde in der neuen Volksbank Ahlen fortgeführt.
Standorte
Die Standorte des Vereins beziehungsweise der späteren Spar- und Darlehnskasse spiegeln die wachsende Bedeutung des Instituts wider.
| Zeitraum | Standort | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1884–1922 | Oststraße 2 | Haus des Rendanten Stephan Nahrath |
| 1922–1924 | Haus des Friseurs Josef Bonkhoff | vorübergehender Standort |
| ab 1924 | Nordstraße 40 | angekauftes Kassengebäude |
| ab 1933 | Gerichtsstraße 22 | früheres Gebäude der Deutschen Bank und Diskonto-Bank |
| ab 1970er Jahre | Weststraße 74 | neue Hauptstelle |
Bedeutende Personen
Zu den prägenden Personen der Geschichte des Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Vereins gehörten unter anderem:
- Franz Heitemeyer, Initiator der Gründung
- Stephan Nahrath, erster Rendant
- Josef Hoselmann, Mitgründer und später Ehrenvorsitzender
- Bernhard Schulze Beerhorst, langjähriger Vereinsvorsteher
- Wilhelm Heising, Rendant und später Bankdirektor
- Dr. Franz Buschhoff, Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender
- Wilhelm Lüring, Vorstandsvorsitzender
- Stephan Grundmeier, Bankdirektor
- Axel Helling, Bankdirektor
- Hans Wolfgang Werner, später Vorstandssprecher der Volksbank Ahlen
- Bernhard Ross, später geschäftsführender Vorstand der Volksbank Ahlen
Bedeutung
Der Ahlener Spar- und Darlehnskassen-Verein war ein wichtiger Bestandteil der Wirtschafts- und Stadtgeschichte Ahlens. Er entstand in einer Zeit, in der Landwirtschaft, Handwerk und kleinere Betriebe auf neue Finanzierungsformen angewiesen waren.
Durch seine genossenschaftliche Struktur bot der Verein seinen Mitgliedern nicht nur Kredite und Sparmöglichkeiten, sondern auch Mitbestimmung. Die Entwicklung von der kleinen Raiffeisenkasse zur modernen Genossenschaftsbank zeigt zugleich den wirtschaftlichen Wandel Ahlens vom landwirtschaftlich geprägten Ort zur Industrie- und Dienstleistungsstadt.
Siehe auch
- Volksbank Ahlen
- Ahlener Volksbank
- Stadtsparkasse Ahlen
- Franz Heitemeyer
- Stephan Nahrath
- Notgeld
- Weststraße
- Gerichtsstraße
- Oststraße
- Dolberg
- Vorhelm
- Walstedde
Quellen
- Volksbank Ahlen eG: Unser Weg in die Zukunft. 100 Jahre Volksbank Ahlen eG (Spar- und Darlehnskasse von 1884), Ahlen 1984.
- Ludger Schulte: Beiträge in Unser Weg in die Zukunft. 100 Jahre Volksbank Ahlen eG, Ahlen 1984.
- Archiv Volksbank Ahlen.
- Stadtarchiv Ahlen.