Kulturgut Samson
| Kulturgut Samson | |
|---|---|
| Anschrift | Tönnishäuschen 7
|
| Internetseite | https://kulturgut-samson.de/ |
| Baujahr | 18. Jahrhundert |
| Ursprüngliche Nutzung | Ackerbauernhaus |
| Heutige Nutzung | Kultur- und Veranstaltungsort |
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Das Kulturgut Samson ist ein historisches Gebäudeensemble in Tönnishäuschen. Das Anwesen an der Adresse Tönnishäuschen 7 geht im Kern auf ein vermutlich im 18. Jahrhundert errichtetes Ackerbauernhaus zurück und wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach erweitert und verändert. Über Generationen befanden sich hier eine Gastwirtschaft, eine Poststelle sowie eine mit dem Landgestüt Warendorf verbundene Pferdedeckstation.
Nach jahrzehntelangem Leerstand wurde das denkmalgeschützte Ensemble 2021 vom Verein Kulturgut Samson e. V. erworben. Seitdem wird es schrittweise saniert und wieder als kultureller und gesellschaftlicher Mittelpunkt Tönnishäuschens genutzt.[1][2]
Geschichte
Vom Ackerbauernhaus zum Gasthof
Der bauliche Kern des heutigen Kulturguts entstand vermutlich im 18. Jahrhundert als Ackerbauernhaus mit Wohn- und Wirtschaftsteil. Das Gebäude wurde ursprünglich in Fachwerk errichtet und später mehrfach umgebaut und erweitert. Unter anderem erhielten die Außenwände Putzflächen mit gliedernden Doppelpilastern.[1]
Hinweise auf eine noch ältere gastronomische Nutzung des Standortes reichen möglicherweise weiter zurück. Nach Forschungen des Vorhelmer Heimatforschers Hermann Honermann soll bereits im 15. Jahrhundert an dieser Stelle ein Gasthaus bestanden haben. Es lag demnach in unmittelbarer Nähe zur ersten St.-Antonius-Kapelle, von der sich der Ortsname Tönnishäuschen ableitet.[3]
Diese frühe Datierung bezieht sich allerdings auf einen möglichen Vorgängerbau beziehungsweise eine frühere Nutzung des Standortes und nicht auf die heute erhaltene Bausubstanz.
Die Familie Samson
Der Name Samson ist seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert mit der Gastwirtschaft verbunden. Als erster Wirt dieses Namens ist für das Jahr 1792 Anton Samson belegt. Er stammte aus Enniger, wo seine Familie den Gasthof „Zum Lamm“ betrieb. Sein Sohn Bernhard Samson war Branntweinbrenner.[4]
Über mehrere Generationen blieb die Familie Samson mit dem Gasthaus in Tönnishäuschen verbunden. Im 20. Jahrhundert führten zunächst Fritz Samson und später sein Sohn Ferdinand „Ferdi“ Samson den Betrieb weiter.
Nach seiner Heirat mit Regine Samson entwickelte Ferdi Samson die Gaststätte weiter zu einem beliebten Ausflugs- und Veranstaltungslokal. Hochzeiten, Schützenfeste, Jagdgesellschaften und Familienfeiern gehörten über Jahrzehnte zum Betrieb.[4]
Die Lage an einer wichtigen Straßenkreuzung begünstigte die Entwicklung des Hauses. Auch nachdem die Kreuzung 1963/64 verlegt worden war, blieb die Gaststätte nach Angaben der Familie gut besucht.
Im Jahr 1979 gab die Familie Samson den Betrieb auf.[4]
Posthalterei und Poststelle
Ein wesentlicher Teil der Geschichte des Hauses ist mit dem Postwesen verbunden.
Bereits vor 1840 bestand im Gasthaus Samson eine sogenannte Briefsammlung, die von der Wirtsfamilie betreut wurde und für Vorhelm zuständig war.[5]
Von Tönnishäuschen aus verkehrte täglich eine fahrende Post mit einem einspännigen Pferdefuhrwerk auf der Strecke
- Warendorf – Hoetmar – Tönnishäuschen – Ahlen – Hamm.
Außerdem bediente ein sechssitziger Postwagen regelmäßig die Verbindung
- Drensteinfurt – Sendenhorst – Tönnishäuschen.[5]
Die Familie Samson war zeitweise auch im Auftrag der Königlich Preußischen Post für die Briefzustellung in Vorhelm und Enniger zuständig. Diese Aufgabe ging 1848 auf einen Landboten über.[5]
Die Poststelle selbst blieb wesentlich länger bestehen.
Sie befand sich zunächst zusammen mit der Privatwohnung der Familie in einem Anbau. Als dieser Bereich 1966 zum Speise- und Festsaal umgebaut wurde, zog die Poststelle in einen kleineren Raum um.
Am 30. September 1971 wurde die Poststelle endgültig geschlossen.[5]
Der zur Straße gerichtete Anbau des Gebäudekomplexes erinnert bis heute an die historische Nutzung als Posthalterei der fahrenden Personenpost zwischen Hamm, Ahlen und Warendorf.[1]
Pferdedeckstation
Neben Gastwirtschaft und Post betrieb die Familie Samson seit 1833 im rechten Flügel der Anlage eine Deckstation des Landgestüts Warendorf.[5]
Damit war das Haus nicht nur Gasthof und Verkehrsstation, sondern besaß auch für die Landwirtschaft der Umgebung Bedeutung.
Die Verbindung zum Landgestüt bestand bis ins 20. Jahrhundert. Nach Angaben des Fördervereins befand sich die Außenstelle bis 1971 im Gebäudekomplex.[3]
Die drei historischen Funktionen
- Gastwirtschaft,
- Poststation
- und Pferdedeckstation
prägen heute wesentlich das Konzept des Kulturguts. Teile dieser Geschichte sollen dauerhaft im Gebäude sichtbar und erlebbar gemacht werden.
Im ehemaligen Scheunentrakt wurde dazu inzwischen eine historische Poststation rekonstruiert.[3]
Denkmal
Das Kulturgut Samson steht unter Denkmalschutz.
Zum geschützten Bestand gehören die Gebäudehüllen
- der ehemaligen Gaststätte,
- des Saalanbaus
- sowie der zur Straße orientierten Tenne.
Die beiden nach Norden anschließenden rückwärtigen Remisen beziehungsweise Anbauten gehören dagegen nicht zum Denkmalumfang.[6]
Die städtische Denkmalpflege bezeichnet die Anlage als ehemalige Gastwirtschaft mit Posthalterei, deren Ursprung vermutlich im 18. Jahrhundert liegt.[7]
Leerstand und Rettung
Nach dem Ende der traditionellen Nutzung wurde das Gebäudeensemble über längere Zeit nur noch eingeschränkt beziehungsweise zeitweise gar nicht mehr genutzt.
Die Gastwirtschaft schloss endgültig im Jahr 2007. Da sich anschließend kein dauerhafter neuer Pächter fand, drohte der ortsbildprägende Gebäudekomplex zunehmend zu verfallen.[8]
Ende 2016 gründete sich deshalb der Förderverein Kulturgut Samson e. V.. Ziel war es, die historische Anlage zu erhalten, zu erwerben und einer neuen Nutzung zuzuführen.[9]
Bereits in den ersten Jahren gewann der Verein zahlreiche Mitglieder und Unterstützer. Das Projekt wurde von der Westfalen-Initiative als „Westfalen-Beweger“ ausgezeichnet.[10]
Im Jahr 2021 gelang schließlich der Erwerb des Gebäudekomplexes durch den Verein.[2]
Zur Finanzierung des Ankaufs und der Wiederbelebung erhielt das Projekt unter anderem im Rahmen des nordrhein-westfälischen Förderprogramms „Heimat-Zeugnis“ eine Zuwendung von 181.025,98 Euro.[11]
Sanierung
Seit dem Erwerb wird die Anlage abschnittsweise und unter denkmalpflegerischer Begleitung saniert.
Im Jahr 2021 konzentrierten sich die ersten Planungen und Maßnahmen unter anderem auf
- die Neueindeckung der Dächer,
- die Instandsetzung der straßenseitigen Fassaden,
- die Rekonstruktion der Südfassade
- sowie Arbeiten an der Tenne.[6]
2023 wurde die Neueindeckung der Dächer abgeschlossen. Für die Erhaltung der ortsbildprägenden Bausubstanz stellte das Land Nordrhein-Westfalen Fördermittel von rund 239.000 Euro bereit.[7]
Ebenfalls 2023 sagte die NRW-Stiftung eine Förderung von bis zu 150.000 Euro für die Gestaltung der Außenanlagen zu. Damit sollten unter anderem der Innenhof und die Zufahrt mit Natursteinpflaster gestaltet sowie der historische Hofbrunnen reaktiviert werden.[9]
Im Jahr 2025 wurde die Fassadensanierung zusätzlich mit 4.766,74 Euro aus der Stadtpauschale der Denkmalförderung unterstützt.[12]
Heutige Nutzung
Das Kulturgut Samson wird inzwischen wieder regelmäßig für die Öffentlichkeit genutzt.
Die ehemalige Gastwirtschaft lebt unter der Bezeichnung „Alte Schänke“ weiter. Der Verein versteht die Anlage als Ort für Kultur, Begegnung und dörfliches Gemeinschaftsleben.
Zum Angebot gehören beziehungsweise gehörten unter anderem
- Klönabende,
- Frühschoppen,
- Konzerte,
- Kunstausstellungen,
- Weihnachtsmärkte,
- Oldtimertreffen,
- Lesungen,
- private und öffentliche Veranstaltungen
- sowie Führungen durch die historische Anlage.
Die Alte Schänke ist regelmäßig für Besucher geöffnet. Auch Vereine und Gruppen nutzen die Räume nach Absprache.[13]
Damit erfüllt das Gebäude heute wieder eine Funktion, die an seine jahrhundertelange Geschichte als Treffpunkt, Gasthaus und Verkehrsstation anknüpft.
Tag des offenen Denkmals
Das Kulturgut Samson beteiligt sich regelmäßig am Tag des offenen Denkmals.
Unter anderem war die Anlage 2024 und 2025 für Besucher geöffnet. Auch für den Tag des offenen Denkmals 2026 wurden Führungen durch das Gebäudeensemble angeboten.[14]
Die Veranstaltungen verbinden die Besichtigung des Baudenkmals mit Informationen zur Geschichte von Gaststätte, Poststation und Pferdehaltung.
Bedeutung für Tönnishäuschen
Das Kulturgut Samson besitzt für Tönnishäuschen eine Bedeutung, die über den reinen Erhalt eines historischen Gebäudes hinausgeht.
Über mehr als zwei Jahrhunderte war die Anlage Gasthaus, Poststation, Pferdewechsel- beziehungsweise Deckstation und gesellschaftlicher Treffpunkt. Nach dem langen Leerstand wird diese Funktion durch das ehrenamtliche Engagement des Fördervereins in neuer Form fortgeführt.
Der ehrenamtliche Denkmalschutzbeauftragte der Stadt Ahlen hob 2025 ausdrücklich hervor, dass beim Kulturgut Samson nicht nur das historische Gebäude erhalten werde, sondern dass es durch Aktivitäten aus Kunst, Kultur und Freizeitgestaltung wieder mit Leben gefüllt worden sei.[12]
Chronik
- 18. Jahrhundert: Errichtung des heutigen Baukerns als Ackerbauernhaus mit Wohn- und Wirtschaftsteil.
- 1792: Anton Samson ist als erster Wirt der Familie Samson in Tönnishäuschen belegt.
- vor 1840: Einrichtung einer Briefsammlung beziehungsweise Poststelle.
- 1833: Beginn der Pferdedeckstation des Landgestüts Warendorf.
- 1848: Die Briefzustellung in Vorhelm und Enniger geht von der Familie Samson auf einen Landboten über.
- 1963/64: Verlegung der Straßenkreuzung in Tönnishäuschen.
- 1966: Umbau des bisherigen Wohn- und Postbereichs zum Speise- und Festsaal.
- 30. September 1971: Schließung der Poststelle.
- 1971: Ende der historischen Außenstelle beziehungsweise Deckstation des Landgestüts.
- 1979: Familie Samson gibt den Gaststättenbetrieb auf.
- 2007: endgültige Schließung der später weiterbetriebenen Gaststätte.
- 2016: Gründung des Fördervereins Kulturgut Samson e. V.
- 2021: Erwerb des Gebäudeensembles durch den Förderverein.
- 2021: Beginn umfangreicher Sanierungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen.
- 2023: Abschluss der Neueindeckung der Dächer.
- 2023: weitere Landes- und Stiftungsförderungen für Gebäude und Außenanlagen.
- 2025: Förderung der Fassadensanierung.
- 2025: Rekonstruktion einer historischen Poststation im Scheunentrakt.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Stadt Ahlen: Kulturgut Samson, abgerufen am 29. September 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Christian Wolff: Förderverein erwirbt den Landgasthof, Kulturgut Samson e. V., 20. April 2021.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Klaus Vorbrink: Ausflug der Könige der St. Sebastian-Schützengilde ins Kulturgut-Samson, Kulturgut Samson e. V., 12. Oktober 2025.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Christian Wolff: Gastgeber war zuletzt ein zufriedener Gast, Kulturgut Samson e. V.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 Christian Wolff: Gloria von Thurn und Taxis unterstützt Projekt „Kulturgut Samson“, Kulturgut Samson e. V.
- ↑ 6,0 6,1 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2021 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
- ↑ 7,0 7,1 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2023 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
- ↑ NRW-Stiftung: Einsatz für Samson, in: NRW-Stiftung Magazin 1/2024.
- ↑ 9,0 9,1 NRW-Stiftung: NRW-Stiftung fördert „Kulturgut Samson“ in Ahlen, 27. Juni 2023.
- ↑ Westfalen-Initiative prämiert Förderverein „Kulturgut Samson“, Kulturgut Samson e. V.
- ↑ Land Nordrhein-Westfalen: Förderübersicht Heimatförderprogramm, Projekt „Ankauf und Erlebbarmachung des Kulturgutes Samson“, 2021.
- ↑ 12,0 12,1 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2025 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.
- ↑ Kulturgut Samson e. V., Internetauftritt des Vereins.
- ↑ Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Kulturgut Samson – Tag des offenen Denkmals.
