Zum Inhalt springen

Villa Mentrup: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AhlenWiki
Die Seite wurde neu angelegt: „{{Vorlage:Gebäude |Foto = VillaMentrup.jpg |Adresse = Lütkeweg 20 |Telefon = |Fax = |Email = |Internet = |Urnutzung = Wohnhaus |Baujahr = 1898 |Architekt = F. C. Schröder |Nutzung = |Denkmal = Ja |Breite = 51.76633 |Laenge = 7.89711 |Zoom = 19 }} Kategorie:Gebäude Die '''Villa Mentrup''' ist eine 1898 errichtete Fabrikantenvilla am Lütkeweg in Ahlen. Sie entstand als Wohnhaus für den Fabrikanten…“
 
 
Zeile 51: Zeile 51:
== Abrisspläne und Rettung der Villa ==
== Abrisspläne und Rettung der Villa ==


Zu Beginn der 2010er Jahre war der Bestand der Villa Mentrup gefährdet. Im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Seniorenzentrums „Gezeitenlands“ war der Abriss des Gebäudes vorgesehen.<ref name="WN2015">Westfälische Nachrichten: „Stadtbild-Macher“ bereichern Vereinslandschaft, 6. März 2015.</ref>
Zu Beginn der 2010er Jahre war der Bestand der Villa Mentrup gefährdet. Im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Seniorenzentrums „Gezeitenland“ war der Abriss des Gebäudes vorgesehen.<ref name="WN2015">Westfälische Nachrichten: „Stadtbild-Macher“ bereichern Vereinslandschaft, 6. März 2015.</ref>


Der geplante Abriss führte im Februar 2014 zur Bildung eines Initiativkreises Ahlener Bürger, der sich für den Erhalt der Villa und ihre Unterschutzstellung einsetzte. Im Rahmen einer Unterschriftenaktion sprachen sich rund 700 Ahlener für den Erhalt des Gebäudes aus.<ref name="WN2015" />
Der geplante Abriss führte im Februar 2014 zur Bildung eines Initiativkreises Ahlener Bürger, der sich für den Erhalt der Villa und ihre Unterschutzstellung einsetzte. Im Rahmen einer Unterschriftenaktion sprachen sich rund 700 Ahlener für den Erhalt des Gebäudes aus.<ref name="WN2015" />

Aktuelle Version vom 29. September 2026, 09:16 Uhr

Villa Mentrup
51.766337.89711
Anschrift Lütkeweg 20



Baujahr 1898
Architekt F. C. Schröder
Ursprüngliche Nutzung Wohnhaus
Karte

Die Villa Mentrup ist eine 1898 errichtete Fabrikantenvilla am Lütkeweg in Ahlen. Sie entstand als Wohnhaus für den Fabrikanten Heinrich Mentrup, Mitinhaber der auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelegenen Stanz- und Emaillierwerke Herding & Mentrup.

Das Gebäude gehört zu den wenigen erhaltenen repräsentativen Wohnhäusern aus der frühen Industrialisierungsphase Ahlens, die unmittelbar mit einem Industriebetrieb verbunden waren.

Geschichte

Das Wohnhaus am Lütkeweg 20 wurde 1898 für den Fabrikanten Heinrich Mentrup nach Plänen des Architekten F. C. Schröder errichtet. Ausgeführt wurde der Bau durch das Baugeschäft H. Eustergerling.[1]

Heinrich Mentrup war Mitinhaber der Firma Herding & Mentrup, deren Stanz- und Emaillierwerke sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befanden. Die Emailindustrie gehörte zu den prägenden Wirtschaftszweigen der ersten Industrialisierungsphase Ahlens und trug wesentlich zum Wachstum der Stadt um die Wende zum 20. Jahrhundert bei.[1]

Als Bauplatz wurde ein großzügiges Grundstück an der Ecke Lütkeweg/Moltkestraße gewählt. Die Lage befand sich damals am Rand der historischen Innenstadt und bot ausreichend Raum für einen weitläufigen Garten. Größere Industriebetriebe entstanden zu dieser Zeit häufig entlang der Ausfallstraßen der ehemaligen Ackerbürgerstadt, wo größere Grundstücke zur Verfügung standen.[1]

Architektur

Die Villa wurde als zweigeschossiges Wohnhaus in Formen des Späthistorismus errichtet. Durch ihre Lage an der Straßenecke Lütkeweg/Moltkestraße erhielt sie eine städtebaulich hervorgehobene Position.[1]

Das Sockelgeschoss und das hohe Erdgeschoss wurden mit Klinkersteinen gestaltet. Das Obergeschoss sowie verschiedene Fronten der aufwendig gegliederten Dachlandschaft erhielten vorgeblendetes altdeutsches Zierfachwerk.[1]

Die repräsentative Gestaltung des Gebäudes spiegelte die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung der Fabrikantenfamilie Mentrup wider.

Umbauten

Bereits 1909 wurde der westliche Gebäudeteil um ein Obergeschoss erweitert. Dabei wurde auch das bestehende Treppenhaus bis in das neue Dachgeschoss weitergeführt.[1]

1955 erfolgte eine Renovierung der Fassaden. Dabei wurden Teile der ursprünglich geschnitzten Gefache durch massive Ausmauerungen ersetzt. Außerdem entfernte man Teile des Zierwerks im Dachbereich, um eine bessere Belichtung des inzwischen verglasten Balkons zu erreichen.[1]

Weitere Veränderungen am Gebäude erfolgten 1969.[1]

1972 wurde insbesondere das Erdgeschoss erheblich umgebaut. Nahezu alle Fassadenöffnungen wurden in ihren Formaten verändert und der Grundriss des Erdgeschosses neu aufgeteilt. Gleichzeitig entstand auf der westlichen Gebäudeseite ein neuer Zugang. Im Inneren wurde der Kellerzugang durch eine Wendeltreppe verändert. Die historische Treppenanlage zu den Obergeschossen blieb erhalten.[1]

Durch diese Umbauten ging ein Teil der historischen Bausubstanz verloren.

Abrisspläne und Rettung der Villa

Zu Beginn der 2010er Jahre war der Bestand der Villa Mentrup gefährdet. Im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung des Seniorenzentrums „Gezeitenland“ war der Abriss des Gebäudes vorgesehen.[2]

Der geplante Abriss führte im Februar 2014 zur Bildung eines Initiativkreises Ahlener Bürger, der sich für den Erhalt der Villa und ihre Unterschutzstellung einsetzte. Im Rahmen einer Unterschriftenaktion sprachen sich rund 700 Ahlener für den Erhalt des Gebäudes aus.[2]

Schließlich wurde die Villa von einem privaten Investor erworben und damit vor dem Abriss bewahrt.[2]

Aus dem Initiativkreis entwickelte sich anschließend der Verein Ahlener Stadtbild-Macher e. V.. Nach einem Bericht der Westfälischen Nachrichten erfolgte die Eintragung des Vereins im Februar 2015; für den 10. März 2015 war die Gründungsversammlung angekündigt.[2]

Die Initiative war nicht allein durch die Villa Mentrup ausgelöst worden. Auch der Verfall des Hauses Holtermann, der Abriss der Villa Kerkmann sowie der Verlust historischer Ausstattung im Schützenhof hatten bei den Beteiligten die Sorge um historische Bausubstanz und das Stadtbild Ahlens verstärkt.[2]

Denkmalschutz

Die erheblichen Umbauten insbesondere in den 1950er bis 1970er Jahren führten zunächst dazu, dass der Denkmalwert der Villa nicht eindeutig beurteilt wurde. Der neue Eigentümer stellte schließlich selbst den Antrag auf Unterschutzstellung des Gebäudes.[1]

Im Jahresbericht der Unteren Denkmalbehörde für das Jahr 2013 war das Verfahren zur Prüfung des Denkmalwertes noch nicht abgeschlossen.[3]

Trotz der zahlreichen Veränderungen kam die Denkmalpflege anschließend zu dem Ergebnis, dass noch ausreichend historische Substanz vorhanden war, um den Denkmalwert des Gebäudes zu begründen. Im Jahresbericht 2014 wurde die Villa Mentrup als Baudenkmal im Sinne des damaligen Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen bewertet.[1]

Denkmalwert besitzt das gesamte Gebäude. Dazu gehören die äußere Hülle mit Fassade, Dachlandschaft und erhaltenen historischen Fenstern sowie Teile des Inneren. Auch die späteren Veränderungen dokumentieren nach Auffassung der Denkmalpflege die Anpassung des Hauses an veränderte Wohnbedürfnisse.[1]

Denkmalbedeutung

Die Villa Mentrup gilt als bemerkenswertes Beispiel der Architektur des späten Historismus und als Zeugnis der erfolgreichen Ahlener Unternehmerschicht des Stanz- und Emailliergewerbes um 1900.[1]

Von besonderer Bedeutung ist die unmittelbare räumliche Beziehung zwischen dem repräsentativen Wohnhaus der Fabrikantenfamilie und dem damaligen Betrieb Herding & Mentrup auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Nur wenige vergleichbare Wohnhäuser dieser Zeit sind im heutigen Stadtbild erhalten geblieben.[1]

Die Denkmalpflege bewertet die Villa als bedeutend für die Geschichte der Menschen in Ahlen und als Zeugnis der Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse während der Industrialisierung. Für ihre Erhaltung bestehen insbesondere architekturgeschichtliche, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe.[1]

Quellen

  1. ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2014.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Westfälische Nachrichten: „Stadtbild-Macher“ bereichern Vereinslandschaft, 6. März 2015.
  3. ↑ Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2013.