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Vorhelmer Weg 19: Unterschied zwischen den Versionen

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==Beschreibung==
Das Gebäude '''Vorhelmer Weg 19''' ist ein 1928 errichtetes Einfamilienhaus. Es wurde für den Unternehmer Emil Schultz junior nach Plänen des Ahlener Architekten [[Ewald Vieten]] erbaut.
Das Einfamilienwohnhaus wurde 1928 als freistehendes Gebäude mit großem Grundstück für den Unternehmer Emil Schultz Junior nach Plänen des Architekten E. Vieten / Ahlen errichtet. Schultz unterhielt eine Buchhandlung in Ahlen sowie zeitweilig auch eine Zeitung und bezeichnete sich als Buchdruckereibesitzer. Teil der Planung war auch die Gestaltung der um das Haus befindlichen Gartenflächen, die aber nur noch rudimentär vorhanden ist.


Das Haus wurde zusammen mit den benachbarten Häusern Vorhelmer Weg 15 und 17 errichtet, wobei die beiden seitlich stehenden Häuser an die Baufluchtlinie der Straße gestellt 1928 ausgeführt wurden, während das 1930 dazwischen errichtete Haus weit zurückgesetzt steht und daher von den zunächst aufgeführten Bauten eingefasst wird. Obwohl alle drei Bauten im Detail unterschiedlich gestaltet wurden, zeigen sie nicht nur in der Stellung, sondern auch in ihrer Kubatur Gemeinsamkeiten: es handelt sich jeweils um zweigeschossige freistehende Putzbauten über hohem Kellersockel, die ein pfannengedecktes Vollwalmdach erhielten.
Das Haus gehört gemeinsam mit den Gebäuden [[Vorhelmer Weg 15]] und [[Vorhelmer Weg 17]] zu einer bemerkenswerten Gruppe anspruchsvoller Wohnhäuser aus der Zeit zwischen 1928 und 1931.


Das zweigeschossige Haus Vorhelmer Weg 19 erhielt einen hohen Kellersockel (ehemals wohl mit Bruchstein verkleidet, heute verputzt) und wurde verputzt, wobei die Fassaden sowohl durch einige Stuckelemente in expressionistischen Formen als auch durch die sorgfältige Verteilung der Fensteröffnungen (diese zumeist mit Holzläden betont) gestaltet ist.
== Baugeschichte ==


In der Vorderfront wurden durch die Haustür mit Vortreppe und Oberlicht sowie drei kleine Lüftungsfenster (für Toiletten und Bad) und an der westlichen Seitenfront durch das massive Blumenkistenband sowie das über Eck gesetzte Erdgeschossfenster weitere gestalterische Akzente gesetzt. Das hohe Walmdach über einem umlaufenden Gesims ist weit vorkragend und durch übergiebelte Dachausbauten akzentuiert.
Das Einfamilienwohnhaus wurde 1928 als freistehendes Gebäude auf einem großen Grundstück errichtet.<ref name="Denkmalbericht2009">Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2009 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.</ref>


Das Innere wird im Erdgeschoss über eine Vortreppe und einen kleinen Windfang durch einen dielenartigen Flur erschlossen, in dem die gegenläufige Etagentreppe eingestellt ist. Rechts des Flures befindet sich zur Straße orientiert die Küche und hinter dem Treppenhaus befindet sich rückwärtig das große Esszimmer mit Wintergartenvorbau zum Garten und Austritt zur rückwärtigen Terrasse.Links neben dem Windfang befinden sich Garderobe und Abort sowie das Wohnzimmer mit Erkerraum zur Straße und ein Herrenzimmer, welches sich zum Garten orientiert. Im Obergeschoß befinden sich links zwei Schlafzimmer für die Eltern und die Kinder sowie rechts zwei Fremdenzimmer (eines mit Austritt auf den Balkon über dem Wintergarten); dazwischen wurde zur Straße orientiert ein Abort angelegt und zum Garten orientiert das Badezimmer. In dem teilweise ausgebauten Dachgeschoss wurden zwei Kammern eingebaut. Im Keller wurde neben den üblichen Räumen (Waschküche, Obstkeller und Vorratsräume auch ein Raum für die schon vorhandene Zentralheizung sowie eine Dunkelkammer (unter dem Windfang) vorgesehen.
Bauherr war der Unternehmer '''Emil Schultz junior''', der in Ahlen eine Buchhandlung betrieb, zeitweise auch eine Zeitung herausgab und sich selbst als Buchdruckereibesitzer bezeichnete.<ref name="Denkmalbericht2009" />


Fenster und alle Außen- und Innentüren sind noch im Original erhalten, ebenso die wahrscheinlich einige Zeit nach der Erbauung eingestellte Trennwand mit Tür aus Holz mit Glas für die Abtrennung des Treppenhauses vom Flur im Erdgeschoss.
Zur ursprünglichen Planung gehörte auch die Gestaltung der das Haus umgebenden Gartenflächen. Diese ist heute jedoch nur noch in Resten erhalten.


==Begründung==
== Städtebauliche Einordnung ==
Das Haus mit der Terrasse ist bedeutend für die Geschichte des Menschen in der Stadt Ahlen. Es dokumentiert anschaulich das Selbstverständnis der bürgerlichen Schichten in einer wirtschaftlich aufblühenden Stadt wie Ahlen in der Zwischenkriegszeit und lässt sich als konservativ-modern umschreiben. Dieses Selbstverständnis fand aber auch in einer selbstverständlichen Darstellung durch den Neubau von großen und anspruchsvollen Wohnhäusern seinen Ausdruck.


Für die Erhaltung des Hauses mit Terrasse liegen wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor. Als wissenschaftliche Gründe sind anzuführen, dass der Entwurf des Hauses in überdurchschnittlichem Maße zeitgenössischen Vorstellungen zu einer modernen Gestaltung folgt, zugleich aber auch versucht wurde, den Charakter des Gebäudes in allgemeingültige, eher konservative Geschmacksentwicklungen einzupassen. Hier wird eine ambivalente Haltung der bürgerlichen Schichten deutlich, wie sie charakteristisch war und wesentlich prägender als die „reine“ Stilentwicklung ist. Das Haus ist hierfür ein gut überliefertes und anspruchsvolles Beispiel.
Das Haus entstand zusammen mit den benachbarten Gebäuden Vorhelmer Weg 15 und 17 als Teil einer kleinen, städtebaulich aufeinander bezogenen Wohnhausgruppe.


Städtebauliche Gründe liegen vor, weil das Gebäude mit Terrasse zu einer bemerkenswerten Gruppe von privat in den Jahren 1928-1931 errichteten anspruchsvollen Wohnhäusern (bestehend aus den Häusern Vorhelmer Weg 15, 17 und 19) gehört, die in ihrer Gruppierung zueinander ein bemerkenswertes Beispiel des Wohnhausbaus der Zeit um 1930 sind.
Die beiden seitlich stehenden Häuser Vorhelmer Weg 15 und 19 wurden 1928 an die Baufluchtlinie der Straße gesetzt. Das dazwischen liegende Haus Vorhelmer Weg 17 wurde dagegen 1930 deutlich zurückgesetzt errichtet und von den beiden älteren Nachbarhäusern eingerahmt.
 
Obwohl sich die drei Häuser in vielen Details unterscheiden, weisen sie wesentliche Gemeinsamkeiten auf. Es handelt sich jeweils um zweigeschossige, freistehende Putzbauten auf hohem Kellersockel mit pfannengedecktem Vollwalmdach.<ref name="Denkmalbericht2009" />
 
== Architektur ==
 
Das zweigeschossige Haus Vorhelmer Weg 19 besitzt einen hohen Kellersockel, der ursprünglich vermutlich mit Bruchstein verkleidet war und heute verputzt ist.
 
Auch die übrigen Fassaden sind verputzt. Sie werden durch einzelne Stuckelemente in expressionistischen Formen sowie durch die sorgfältige Anordnung der Fenster gegliedert. Die meisten Fenster werden zusätzlich durch Holzläden betont.<ref name="Denkmalbericht2009" />
 
Weitere gestalterische Akzente setzen an der Vorderfront die Haustür mit Vortreppe und Oberlicht sowie drei kleine Lüftungsfenster für Toiletten- und Badbereiche.
 
An der westlichen Seitenfassade fallen besonders ein massives Blumenkistenband und ein über Eck gesetztes Erdgeschossfenster auf.
 
Das hohe Walmdach sitzt über einem umlaufenden Gesims, kragt weit vor und wird durch übergiebelte Dachausbauten zusätzlich belebt.
 
== Grundriss ==
 
Das Haus wird im Erdgeschoss über eine Vortreppe und einen kleinen Windfang erschlossen. Dahinter liegt ein dielenartiger Flur, in den die gegenläufige Treppe zu den Obergeschossen eingestellt ist.<ref name="Denkmalbericht2009" />
 
Rechts des Flures befindet sich zur Straßenseite die Küche. Hinter dem Treppenhaus liegt rückwärtig das große Esszimmer mit einem Wintergartenvorbau zum Garten und einem Ausgang auf die Terrasse.
 
Links neben dem Windfang liegen Garderobe und Abort. Außerdem befinden sich dort das zur Straße gerichtete Wohnzimmer mit Erkerraum sowie ein Herrenzimmer, das zum Garten orientiert ist.
 
Im Obergeschoss liegen links zwei Schlafzimmer für Eltern und Kinder, rechts zwei Fremdenzimmer. Eines der Fremdenzimmer besitzt einen Ausgang auf den Balkon über dem Wintergarten. Dazwischen befinden sich zur Straßenseite ein Abort und zur Gartenseite das Badezimmer.
 
Im teilweise ausgebauten Dachgeschoss wurden zwei Kammern eingerichtet.
 
Auch der Keller war differenziert genutzt. Neben den üblichen Wirtschaftsräumen wie Waschküche, Obstkeller und Vorratsräumen befanden sich dort ein Raum für die bereits vorhandene Zentralheizung sowie eine Dunkelkammer unter dem Windfang.<ref name="Denkmalbericht2009" />
 
== Erhaltene Ausstattung ==
 
Nach Angaben der Denkmalpflege sind Fenster sowie sämtliche Außen- und Innentüren noch original erhalten.
 
Ebenfalls erhalten ist eine vermutlich erst einige Zeit nach der Erbauung eingestellte Trennwand aus Holz mit verglaster Tür, die das Treppenhaus im Erdgeschoss vom Flur abtrennt.<ref name="Denkmalbericht2009" />
 
== Denkmalschutz ==
 
Das Haus mit seiner Terrasse ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Ahlen.
 
Es dokumentiert anschaulich das Selbstverständnis der bürgerlichen Schichten in einer wirtschaftlich aufblühenden Stadt wie Ahlen während der Zwischenkriegszeit. Die Denkmalpflege beschreibt dieses Selbstverständnis als „konservativ-modern“: Einerseits folgt der Entwurf zeitgenössischen Vorstellungen einer modernen Gestaltung, andererseits bleibt der Bau in allgemein akzeptierten, eher konservativen Geschmacksformen verankert.<ref name="Denkmalbericht2009" />
 
Für die Erhaltung des Hauses mit Terrasse liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor.
 
Die wissenschaftliche Bedeutung ergibt sich daraus, dass das Gebäude ein gut erhaltenes und anspruchsvolles Beispiel für die Haltung des bürgerlichen Wohnhausbaus um 1930 darstellt.
 
Städtebauliche Bedeutung besitzt das Haus als Teil der Gruppe der Gebäude '''Vorhelmer Weg 15, 17 und 19'''. In ihrer Anordnung zueinander stellen diese Häuser ein bemerkenswertes Beispiel des Wohnhausbaus der Zeit um 1930 dar.<ref name="Denkmalbericht2009" />
 
== Quellen ==
<references />

Aktuelle Version vom 29. September 2026, 12:46 Uhr

Vorhelmer Weg 19
51.773257.8993
Anschrift Vorhelmer Weg 19



Baujahr 1928
Architekt Ewald Vieten
Ursprüngliche Nutzung Einfamilienhaus
Heutige Nutzung Wohnhaus
Karte

Das Gebäude Vorhelmer Weg 19 ist ein 1928 errichtetes Einfamilienhaus. Es wurde für den Unternehmer Emil Schultz junior nach Plänen des Ahlener Architekten Ewald Vieten erbaut.

Das Haus gehört gemeinsam mit den Gebäuden Vorhelmer Weg 15 und Vorhelmer Weg 17 zu einer bemerkenswerten Gruppe anspruchsvoller Wohnhäuser aus der Zeit zwischen 1928 und 1931.

Baugeschichte

Das Einfamilienwohnhaus wurde 1928 als freistehendes Gebäude auf einem großen Grundstück errichtet.[1]

Bauherr war der Unternehmer Emil Schultz junior, der in Ahlen eine Buchhandlung betrieb, zeitweise auch eine Zeitung herausgab und sich selbst als Buchdruckereibesitzer bezeichnete.[1]

Zur ursprünglichen Planung gehörte auch die Gestaltung der das Haus umgebenden Gartenflächen. Diese ist heute jedoch nur noch in Resten erhalten.

Städtebauliche Einordnung

Das Haus entstand zusammen mit den benachbarten Gebäuden Vorhelmer Weg 15 und 17 als Teil einer kleinen, städtebaulich aufeinander bezogenen Wohnhausgruppe.

Die beiden seitlich stehenden Häuser Vorhelmer Weg 15 und 19 wurden 1928 an die Baufluchtlinie der Straße gesetzt. Das dazwischen liegende Haus Vorhelmer Weg 17 wurde dagegen 1930 deutlich zurückgesetzt errichtet und von den beiden älteren Nachbarhäusern eingerahmt.

Obwohl sich die drei Häuser in vielen Details unterscheiden, weisen sie wesentliche Gemeinsamkeiten auf. Es handelt sich jeweils um zweigeschossige, freistehende Putzbauten auf hohem Kellersockel mit pfannengedecktem Vollwalmdach.[1]

Architektur

Das zweigeschossige Haus Vorhelmer Weg 19 besitzt einen hohen Kellersockel, der ursprünglich vermutlich mit Bruchstein verkleidet war und heute verputzt ist.

Auch die übrigen Fassaden sind verputzt. Sie werden durch einzelne Stuckelemente in expressionistischen Formen sowie durch die sorgfältige Anordnung der Fenster gegliedert. Die meisten Fenster werden zusätzlich durch Holzläden betont.[1]

Weitere gestalterische Akzente setzen an der Vorderfront die Haustür mit Vortreppe und Oberlicht sowie drei kleine Lüftungsfenster für Toiletten- und Badbereiche.

An der westlichen Seitenfassade fallen besonders ein massives Blumenkistenband und ein über Eck gesetztes Erdgeschossfenster auf.

Das hohe Walmdach sitzt über einem umlaufenden Gesims, kragt weit vor und wird durch übergiebelte Dachausbauten zusätzlich belebt.

Grundriss

Das Haus wird im Erdgeschoss über eine Vortreppe und einen kleinen Windfang erschlossen. Dahinter liegt ein dielenartiger Flur, in den die gegenläufige Treppe zu den Obergeschossen eingestellt ist.[1]

Rechts des Flures befindet sich zur Straßenseite die Küche. Hinter dem Treppenhaus liegt rückwärtig das große Esszimmer mit einem Wintergartenvorbau zum Garten und einem Ausgang auf die Terrasse.

Links neben dem Windfang liegen Garderobe und Abort. Außerdem befinden sich dort das zur Straße gerichtete Wohnzimmer mit Erkerraum sowie ein Herrenzimmer, das zum Garten orientiert ist.

Im Obergeschoss liegen links zwei Schlafzimmer für Eltern und Kinder, rechts zwei Fremdenzimmer. Eines der Fremdenzimmer besitzt einen Ausgang auf den Balkon über dem Wintergarten. Dazwischen befinden sich zur Straßenseite ein Abort und zur Gartenseite das Badezimmer.

Im teilweise ausgebauten Dachgeschoss wurden zwei Kammern eingerichtet.

Auch der Keller war differenziert genutzt. Neben den üblichen Wirtschaftsräumen wie Waschküche, Obstkeller und Vorratsräumen befanden sich dort ein Raum für die bereits vorhandene Zentralheizung sowie eine Dunkelkammer unter dem Windfang.[1]

Erhaltene Ausstattung

Nach Angaben der Denkmalpflege sind Fenster sowie sämtliche Außen- und Innentüren noch original erhalten.

Ebenfalls erhalten ist eine vermutlich erst einige Zeit nach der Erbauung eingestellte Trennwand aus Holz mit verglaster Tür, die das Treppenhaus im Erdgeschoss vom Flur abtrennt.[1]

Denkmalschutz

Das Haus mit seiner Terrasse ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Ahlen.

Es dokumentiert anschaulich das Selbstverständnis der bürgerlichen Schichten in einer wirtschaftlich aufblühenden Stadt wie Ahlen während der Zwischenkriegszeit. Die Denkmalpflege beschreibt dieses Selbstverständnis als „konservativ-modern“: Einerseits folgt der Entwurf zeitgenössischen Vorstellungen einer modernen Gestaltung, andererseits bleibt der Bau in allgemein akzeptierten, eher konservativen Geschmacksformen verankert.[1]

Für die Erhaltung des Hauses mit Terrasse liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor.

Die wissenschaftliche Bedeutung ergibt sich daraus, dass das Gebäude ein gut erhaltenes und anspruchsvolles Beispiel für die Haltung des bürgerlichen Wohnhausbaus um 1930 darstellt.

Städtebauliche Bedeutung besitzt das Haus als Teil der Gruppe der Gebäude Vorhelmer Weg 15, 17 und 19. In ihrer Anordnung zueinander stellen diese Häuser ein bemerkenswertes Beispiel des Wohnhausbaus der Zeit um 1930 dar.[1]

Quellen

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2009 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.