Vorhelmer Weg 17: Unterschied zwischen den Versionen
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Das Gebäude '''Vorhelmer Weg 17''' ist ein 1930/31 errichtetes Einfamilienhaus. Es entstand für den städtischen Verwaltungsdirektor Voss nach Plänen des Stadtbaumeisters Emil Lünne. | |||
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== Baugeschichte == | |||
Das Einfamilienhaus wurde 1930/31 für den städtischen Verwaltungsdirektor Voss errichtet.<ref name="Denkmalbericht2009">Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2009 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.</ref> | |||
Die Planung stammte vom Stadtbaumeister '''Emil Lünne'''. Die Bauausführung leitete der Architekt '''H. Schröder''' als Inhaber der Baufirma Schröder. Die Betondecken wurden von der Firma '''B. Plassmann''' aus Diestedde ausgeführt.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Im Unterschied zur übrigen Bebauung entlang des Vorhelmer Wegs wurde das Haus deutlich von der Straßenflucht zurückgesetzt. Dadurch entstand ein Vorplatz, der ursprünglich von den bereits 1928 errichteten Nachbarhäusern Vorhelmer Weg 15 und 19 symmetrisch gerahmt wurde. | |||
Die ursprüngliche Gestaltung dieser Freifläche ist heute nicht mehr erhalten. | |||
== Architektur == | |||
Das Wohnhaus wurde als zweigeschossiger, freistehender Putzbau auf einem hohen Kellersockel errichtet. | |||
Der nahezu quadratische Baukörper erhielt ein Vollwalmdach, dessen Silhouette durch einen Schornsteinkopf abgeschlossen wird.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Die Fassadengestaltung ist insgesamt zurückhaltend. Unter dem weit vorkragenden Dachfuß befindet sich ein stark vereinfachtes Traufgesims. Auf der vorderen Dachfläche sitzt mittig eine Schleppgaube. | |||
Die Fenster des Obergeschosses an der Vorderseite sind gleichmäßig angeordnet und werden durch ein umlaufendes Putzband zu einer gestalterischen Einheit zusammengefasst. | |||
Besonders auffällig ist der weit vorkragende Balkon an der Vorderseite. Er besitzt einen geschwungenen Grundriss und eine geschlossene Brüstung. | |||
Unterhalb des Balkons befindet sich auf der linken Seite ein halbrunder, weitgehend verglaster Erker des Wohnzimmers. Rechts liegt der Eingangsbereich. Ursprünglich war der Vorplatz vor der Haustür über eine mehrstufige Vortreppe erschlossen.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
== Grundriss und Innenausstattung == | |||
Die innere Struktur des Hauses wird wesentlich durch eine tragende Längswand bestimmt. | |||
Der Grundriss ist großzügig angelegt und durch mehrere Balkone ergänzt. Auch die Innenausstattung wurde handwerklich anspruchsvoll ausgeführt.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Zu den erhaltenen beziehungsweise beschriebenen Ausstattungsdetails gehören unter anderem: | |||
* glatt gehaltene Türblätter mit Wurzelholzfurnier, | |||
* ein Treppengeländer in expressionistischen Formen, | |||
* eine angedeutete Balkendecke aus Beton, | |||
* ein Wandkamin, | |||
* Holzverkleidungen im Bereich der Sitznische. | |||
Der Eingangsbereich liegt im rechten Gebäudeteil. Über einen Windfang, von dem eine Gästetoilette abgetrennt ist, gelangt man in eine großzügige zentrale Diele. | |||
In der rechten Hälfte der Diele befindet sich die offen eingestellte Treppe zum Obergeschoss. Der vordere Bereich wurde als offene Sitznische gestaltet. Zusammen mit der Balkendecke, dem Wandkamin und der Holzverkleidung sollte dieser Bereich den Charakter eines Landhauses vermitteln.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Hinter der Diele lag die Küche. Von ihr war eine Spülküche durch Einbauschränke abgetrennt. Von der Küche aus bestand außerdem der Zugang zum Keller mit Wirtschaftsräumen und Zentralheizung. | |||
An der nördlichen Gartenseite war der Küche eine geräumige Terrasse vorgelagert. | |||
== Wohnräume == | |||
Der linke Gebäudeteil wurde im Erdgeschoss als großzügiger Wohnbereich gestaltet. | |||
Zur Vorderseite lag das sogenannte Herrenzimmer mit dem halbrunden Erker. Daran schlossen sich das Esszimmer und das Wohnzimmer an. | |||
Die einzelnen Räume waren nicht vollständig voneinander getrennt, sondern gingen über offene, mit poliertem Holz ausgekleidete Bögen ineinander über. | |||
Auch das rückwärtige Wohnzimmer trat erkerartig aus der Fassade hervor. Darüber befand sich ein Balkon.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
== Obergeschoss und Dachgeschoss == | |||
Im Obergeschoss lagen auf der linken Seite ein Schlafzimmer und ein weiteres Wohnzimmer. | |||
Auf der rechten Seite befanden sich zur Vorderseite ein weiteres Schlafzimmer und ein Badezimmer sowie rückwärtig ein Fremdenzimmer. | |||
Beide Schlafzimmer hatten Zugang zu dem großen Balkon an der Vorderseite. | |||
Im vorderen Bereich des Dachgeschosses befanden sich zwei Mädchenzimmer. Der rückwärtige Bereich wurde als Trockenboden genutzt.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
== Veränderungen == | |||
Im Laufe der Zeit wurde das Haus mehrfach an veränderte Wohnbedürfnisse angepasst. | |||
Ab 1969 wurde das Gebäude wieder als Einfamilienhaus von der Familie Voss genutzt. Eine zuvor eingerichtete getrennte Erschließung des Obergeschosses wurde dabei wieder beseitigt.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Im Wohnbereich des Erdgeschosses erfolgten Modernisierungen, die nach Einschätzung der Denkmalpflege jedoch keine größeren Eingriffe in die historische Substanz erforderten. | |||
Die vorgenommenen Veränderungen beeinträchtigten den grundsätzlichen Charakter des Gebäudes nicht wesentlich. Sie dokumentieren vielmehr die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der Jahrzehnte nach der Errichtung. | |||
== Denkmalschutz == | |||
Das Gebäude gilt als überdurchschnittlich anspruchsvolles Beispiel des Wohnhausbaus der Zwischenkriegszeit. | |||
Seine Gestaltung und die hochwertige Innenausstattung entsprechen der gesellschaftlich herausgehobenen Stellung des Bauherrn. | |||
Für die Erhaltung und Nutzung des Hauses liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Aus architekturgeschichtlicher Sicht ist insbesondere die Verbindung moderner Gestaltungsvorstellungen mit eher konservativen und allgemein akzeptierten Wohnformen bemerkenswert. | |||
Die Denkmalpflege sieht darin ein charakteristisches Beispiel für die ambivalente Haltung bürgerlicher Bauherren der Zwischenkriegszeit: Einerseits wurden moderne Formen aufgenommen, andererseits sollte das Gebäude weiterhin dem vertrauten Bild eines repräsentativen Wohnhauses entsprechen. | |||
Städtebauliche Bedeutung besitzt das Gebäude als Mittelpunkt der Gruppe der Häuser '''Vorhelmer Weg 15, 17 und 19'''. Diese anspruchsvollen Wohnhäuser entstanden zwischen 1928 und 1931 und bilden gemeinsam ein bemerkenswertes Ensemble.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
== Quellen == | |||
<references /> | |||
Aktuelle Version vom 29. September 2026, 12:42 Uhr
| Vorhelmer Weg 17 | |
|---|---|
51.773297.89893 Koordinaten: 51° 46′ 24″ N, 7° 53′ 56″ O
| |
| Anschrift | Vorhelmer Weg 17
|
| Baujahr | 1930/31 |
| Architekt | Emil Lünne |
| Ursprüngliche Nutzung | Einfamilienhaus |
| Heutige Nutzung | Wohnhaus |
Das Gebäude Vorhelmer Weg 17 ist ein 1930/31 errichtetes Einfamilienhaus. Es entstand für den städtischen Verwaltungsdirektor Voss nach Plänen des Stadtbaumeisters Emil Lünne.
Das Haus bildet zusammen mit den Gebäuden Vorhelmer Weg 15 und Vorhelmer Weg 19 eine bemerkenswerte Gruppe anspruchsvoller Wohnhäuser aus der Zeit zwischen 1928 und 1931.
Baugeschichte
Das Einfamilienhaus wurde 1930/31 für den städtischen Verwaltungsdirektor Voss errichtet.[1]
Die Planung stammte vom Stadtbaumeister Emil Lünne. Die Bauausführung leitete der Architekt H. Schröder als Inhaber der Baufirma Schröder. Die Betondecken wurden von der Firma B. Plassmann aus Diestedde ausgeführt.[1]
Im Unterschied zur übrigen Bebauung entlang des Vorhelmer Wegs wurde das Haus deutlich von der Straßenflucht zurückgesetzt. Dadurch entstand ein Vorplatz, der ursprünglich von den bereits 1928 errichteten Nachbarhäusern Vorhelmer Weg 15 und 19 symmetrisch gerahmt wurde.
Die ursprüngliche Gestaltung dieser Freifläche ist heute nicht mehr erhalten.
Architektur
Das Wohnhaus wurde als zweigeschossiger, freistehender Putzbau auf einem hohen Kellersockel errichtet.
Der nahezu quadratische Baukörper erhielt ein Vollwalmdach, dessen Silhouette durch einen Schornsteinkopf abgeschlossen wird.[1]
Die Fassadengestaltung ist insgesamt zurückhaltend. Unter dem weit vorkragenden Dachfuß befindet sich ein stark vereinfachtes Traufgesims. Auf der vorderen Dachfläche sitzt mittig eine Schleppgaube.
Die Fenster des Obergeschosses an der Vorderseite sind gleichmäßig angeordnet und werden durch ein umlaufendes Putzband zu einer gestalterischen Einheit zusammengefasst.
Besonders auffällig ist der weit vorkragende Balkon an der Vorderseite. Er besitzt einen geschwungenen Grundriss und eine geschlossene Brüstung.
Unterhalb des Balkons befindet sich auf der linken Seite ein halbrunder, weitgehend verglaster Erker des Wohnzimmers. Rechts liegt der Eingangsbereich. Ursprünglich war der Vorplatz vor der Haustür über eine mehrstufige Vortreppe erschlossen.[1]
Grundriss und Innenausstattung
Die innere Struktur des Hauses wird wesentlich durch eine tragende Längswand bestimmt.
Der Grundriss ist großzügig angelegt und durch mehrere Balkone ergänzt. Auch die Innenausstattung wurde handwerklich anspruchsvoll ausgeführt.[1]
Zu den erhaltenen beziehungsweise beschriebenen Ausstattungsdetails gehören unter anderem:
- glatt gehaltene Türblätter mit Wurzelholzfurnier,
- ein Treppengeländer in expressionistischen Formen,
- eine angedeutete Balkendecke aus Beton,
- ein Wandkamin,
- Holzverkleidungen im Bereich der Sitznische.
Der Eingangsbereich liegt im rechten Gebäudeteil. Über einen Windfang, von dem eine Gästetoilette abgetrennt ist, gelangt man in eine großzügige zentrale Diele.
In der rechten Hälfte der Diele befindet sich die offen eingestellte Treppe zum Obergeschoss. Der vordere Bereich wurde als offene Sitznische gestaltet. Zusammen mit der Balkendecke, dem Wandkamin und der Holzverkleidung sollte dieser Bereich den Charakter eines Landhauses vermitteln.[1]
Hinter der Diele lag die Küche. Von ihr war eine Spülküche durch Einbauschränke abgetrennt. Von der Küche aus bestand außerdem der Zugang zum Keller mit Wirtschaftsräumen und Zentralheizung.
An der nördlichen Gartenseite war der Küche eine geräumige Terrasse vorgelagert.
Wohnräume
Der linke Gebäudeteil wurde im Erdgeschoss als großzügiger Wohnbereich gestaltet.
Zur Vorderseite lag das sogenannte Herrenzimmer mit dem halbrunden Erker. Daran schlossen sich das Esszimmer und das Wohnzimmer an.
Die einzelnen Räume waren nicht vollständig voneinander getrennt, sondern gingen über offene, mit poliertem Holz ausgekleidete Bögen ineinander über.
Auch das rückwärtige Wohnzimmer trat erkerartig aus der Fassade hervor. Darüber befand sich ein Balkon.[1]
Obergeschoss und Dachgeschoss
Im Obergeschoss lagen auf der linken Seite ein Schlafzimmer und ein weiteres Wohnzimmer.
Auf der rechten Seite befanden sich zur Vorderseite ein weiteres Schlafzimmer und ein Badezimmer sowie rückwärtig ein Fremdenzimmer.
Beide Schlafzimmer hatten Zugang zu dem großen Balkon an der Vorderseite.
Im vorderen Bereich des Dachgeschosses befanden sich zwei Mädchenzimmer. Der rückwärtige Bereich wurde als Trockenboden genutzt.[1]
Veränderungen
Im Laufe der Zeit wurde das Haus mehrfach an veränderte Wohnbedürfnisse angepasst.
Ab 1969 wurde das Gebäude wieder als Einfamilienhaus von der Familie Voss genutzt. Eine zuvor eingerichtete getrennte Erschließung des Obergeschosses wurde dabei wieder beseitigt.[1]
Im Wohnbereich des Erdgeschosses erfolgten Modernisierungen, die nach Einschätzung der Denkmalpflege jedoch keine größeren Eingriffe in die historische Substanz erforderten.
Die vorgenommenen Veränderungen beeinträchtigten den grundsätzlichen Charakter des Gebäudes nicht wesentlich. Sie dokumentieren vielmehr die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der Jahrzehnte nach der Errichtung.
Denkmalschutz
Das Gebäude gilt als überdurchschnittlich anspruchsvolles Beispiel des Wohnhausbaus der Zwischenkriegszeit.
Seine Gestaltung und die hochwertige Innenausstattung entsprechen der gesellschaftlich herausgehobenen Stellung des Bauherrn.
Für die Erhaltung und Nutzung des Hauses liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor.[1]
Aus architekturgeschichtlicher Sicht ist insbesondere die Verbindung moderner Gestaltungsvorstellungen mit eher konservativen und allgemein akzeptierten Wohnformen bemerkenswert.
Die Denkmalpflege sieht darin ein charakteristisches Beispiel für die ambivalente Haltung bürgerlicher Bauherren der Zwischenkriegszeit: Einerseits wurden moderne Formen aufgenommen, andererseits sollte das Gebäude weiterhin dem vertrauten Bild eines repräsentativen Wohnhauses entsprechen.
Städtebauliche Bedeutung besitzt das Gebäude als Mittelpunkt der Gruppe der Häuser Vorhelmer Weg 15, 17 und 19. Diese anspruchsvollen Wohnhäuser entstanden zwischen 1928 und 1931 und bilden gemeinsam ein bemerkenswertes Ensemble.[1]

