Vorhelmer Weg 15: Unterschied zwischen den Versionen
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Das Gebäude '''Vorhelmer Weg 15''' ist ein 1928 errichtetes Zweifamilienwohnhaus. Es entstand nach Plänen des Ahlener Architekten [[Ewald Vieten]] für den Baugewerksmeister Johannes Rötering, Inhaber eines Zimmereibetriebes. | |||
Das villenartig gestaltete Wohnhaus gehört gemeinsam mit den Gebäuden [[Vorhelmer Weg 17]] und [[Vorhelmer Weg 19]] zu einer bemerkenswerten Gruppe anspruchsvoller Wohnhäuser aus der Zeit zwischen 1928 und 1931. | |||
== Baugeschichte == | |||
Das Zweifamilienwohnhaus wurde 1928 auf einem Grundstück am damaligen Stadtrand errichtet. Die Planung stammte von [[Ewald Vieten]], die Bauausführung übernahm das Baugeschäft Krämer.<ref name="Denkmalbericht2009">Stadt Ahlen, Untere Denkmalbehörde: Jahresbericht 2009 zur Stadtbild- und Denkmalpflege.</ref> | |||
Bauherr war der Baugewerksmeister Johannes Rötering. Als Inhaber eines Zimmereibetriebes war er selbst eng mit dem Baugewerbe verbunden. | |||
Das Haus wurde als zweigeschossiger, freistehender Bau mit hohem Kellersockel und teilweise ausgebautem Dachgeschoss errichtet. Die Kellerdecke wurde massiv ausgeführt, während die übrigen Geschossdecken als Holzbalkendecken entstanden.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
== Architektur == | |||
Die Fassaden wurden mit sogenanntem Edelputz versehen und erhielten eine zurückhaltende Dekoration in expressionistischen Formen. Als weiteres Gestaltungselement besaßen die Fenster Schlagläden.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
==Quellen== | Besonders aufwendig wurden die Süd- und Westseite gestaltet, die dem aus der Stadt kommenden Betrachter zugewandt waren. Drei eingeschossige Erkervorbauten mit gebrochenem Grundriss verleihen dem Gebäude eine malerische, landhausartige Silhouette.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | ||
<references> | |||
Das weit vorkragende Vollwalmdach wurde mit Hohlziegeln gedeckt. | |||
== Grundriss und Ausstattung == | |||
Der Zugang erfolgt über eine Vortreppe an der westlichen Seitenfassade. Von dort gelangt man über einen kleinen Windfang in das gewendelte hölzerne Treppenhaus. | |||
In Erd- und Obergeschoss befand sich jeweils eine Vierzimmerwohnung mit Küche, Bad, Toilette und Flur. Die Wohnungen wurden teilweise durch verglaste Etagentüren vom Treppenhaus getrennt.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Der Längsflur wurde nur indirekt belichtet. Neben dem Treppenhaus lagen ein Vorraum und ein Toilettenraum. Im rückwärtigen Bereich befanden sich die Küche mit Speisekammer sowie ein Badezimmer. | |||
Zur Straßenseite lagen zwei Wohnzimmer, jeweils mit Erker. An der Ostseite schloss sich das Schlafzimmer an, während ein weiteres Wohnzimmer zum Garten ausgerichtet war. | |||
Im Dachgeschoss befanden sich vier weitere Zimmer, die den beiden Wohnungen zugeschlagen werden konnten.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Zur qualitätvollen Ausstattung gehörten unter anderem Stuckdecken sowie hochwertige Holzarbeiten an Treppen, Türen und Einbauten. Die Denkmalpflege hob insbesondere den hohen handwerklichen Standard dieser Arbeiten hervor. | |||
== Veränderungen == | |||
Bereits kurze Zeit nach der Fertigstellung erhielt das Haus rückwärtig eine massive Terrasse mit darunterliegender Garage. In diesem Zusammenhang wurde die Speisekammer zu einem Spülraum mit Ausgang zur Terrasse umgestaltet.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
1944 wurde die Garage unter der Terrasse zugemauert und als zusätzlicher Raum genutzt. | |||
1946 wurde auch der bis dahin offene Bereich unter der Terrasse geschlossen. Gleichzeitig teilte man das Erdgeschoss aufgrund der damaligen Wohnungswirtschaft in zwei getrennte Wohnungen auf.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Nach Einschätzung der Denkmalpflege beeinträchtigten diese Veränderungen den grundsätzlichen Charakter des Hauses nicht wesentlich. Sie dokumentieren vielmehr die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die bereits wenige Jahre nach der Errichtung einsetzten. | |||
== Bewohner == | |||
Das Haus war von Anfang an für ein gehobenes Publikum bestimmt. | |||
Zu den frühen Bewohnern gehörten die Familie Kerkmann und die Familie Dr. Rolfes. Später wohnten dort unter anderem der ehemalige Stadtbaumeister '''Emil Lünne''', der das Haus seit 1942 besaß, sowie Dr. med. dent. Hartmann.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
== Denkmalschutz == | |||
Das Gebäude ist bedeutend für die Geschichte der Stadt Ahlen. | |||
Obwohl es als Zweifamilien-Miethaus errichtet wurde, erhielt es die Erscheinung eines herrschaftlichen, freistehenden und villenartigen Wohnhauses. Die Wohnungen waren auf eine gehobene Bewohnerschaft ausgerichtet.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Bemerkenswert ist außerdem die qualitätvolle handwerkliche Ausführung. Insbesondere die Holzarbeiten an Treppen, Türen und Einbauten dokumentieren den hohen Standard des Baugewerbes der späten 1920er-Jahre. | |||
Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor. | |||
Die wissenschaftliche Bedeutung ergibt sich unter anderem daraus, dass mit Johannes Rötering als Bauherrn, [[Ewald Vieten]] als Architekten und dem Baugeschäft Krämer mehrere bedeutende Vertreter des damaligen Ahlener Baugewerbes an der Entstehung des Hauses beteiligt waren. | |||
Das Gebäude dokumentiert damit in seiner Gestaltung, seiner technischen und handwerklichen Ausführung sowie in seinem Anspruch die Vorstellungen des Baugewerbes der späten 1920er-Jahre. Diese Epoche war in Ahlen vor dem Hintergrund des Bergwerks von starkem Wachstum und reger Bautätigkeit geprägt.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
Städtebauliche Bedeutung besitzt das Haus außerdem als Bestandteil der Gruppe der Gebäude '''Vorhelmer Weg 15, 17 und 19'''. Diese anspruchsvollen Wohnhäuser entstanden zwischen 1928 und 1931 unter Beteiligung des Architekten [[Ewald Vieten]] und des Stadtbaurates Emil Lünne.<ref name="Denkmalbericht2009" /> | |||
== Quellen == | |||
<references /> | |||
Aktuelle Version vom 29. September 2026, 12:39 Uhr
| Vorhelmer Weg 15 | |
|---|---|
51.773257.8986 Koordinaten: 51° 46′ 24″ N, 7° 53′ 55″ O
| |
| Anschrift | Vorhelmer Weg 15
|
| Baujahr | 1928 |
| Architekt | Ewald Vieten |
| Ursprüngliche Nutzung | Zweifamilienwohnhaus |
| Heutige Nutzung | Wohnhaus |
Das Gebäude Vorhelmer Weg 15 ist ein 1928 errichtetes Zweifamilienwohnhaus. Es entstand nach Plänen des Ahlener Architekten Ewald Vieten für den Baugewerksmeister Johannes Rötering, Inhaber eines Zimmereibetriebes.
Das villenartig gestaltete Wohnhaus gehört gemeinsam mit den Gebäuden Vorhelmer Weg 17 und Vorhelmer Weg 19 zu einer bemerkenswerten Gruppe anspruchsvoller Wohnhäuser aus der Zeit zwischen 1928 und 1931.
Baugeschichte
Das Zweifamilienwohnhaus wurde 1928 auf einem Grundstück am damaligen Stadtrand errichtet. Die Planung stammte von Ewald Vieten, die Bauausführung übernahm das Baugeschäft Krämer.[1]
Bauherr war der Baugewerksmeister Johannes Rötering. Als Inhaber eines Zimmereibetriebes war er selbst eng mit dem Baugewerbe verbunden.
Das Haus wurde als zweigeschossiger, freistehender Bau mit hohem Kellersockel und teilweise ausgebautem Dachgeschoss errichtet. Die Kellerdecke wurde massiv ausgeführt, während die übrigen Geschossdecken als Holzbalkendecken entstanden.[1]
Architektur
Die Fassaden wurden mit sogenanntem Edelputz versehen und erhielten eine zurückhaltende Dekoration in expressionistischen Formen. Als weiteres Gestaltungselement besaßen die Fenster Schlagläden.[1]
Besonders aufwendig wurden die Süd- und Westseite gestaltet, die dem aus der Stadt kommenden Betrachter zugewandt waren. Drei eingeschossige Erkervorbauten mit gebrochenem Grundriss verleihen dem Gebäude eine malerische, landhausartige Silhouette.[1]
Das weit vorkragende Vollwalmdach wurde mit Hohlziegeln gedeckt.
Grundriss und Ausstattung
Der Zugang erfolgt über eine Vortreppe an der westlichen Seitenfassade. Von dort gelangt man über einen kleinen Windfang in das gewendelte hölzerne Treppenhaus.
In Erd- und Obergeschoss befand sich jeweils eine Vierzimmerwohnung mit Küche, Bad, Toilette und Flur. Die Wohnungen wurden teilweise durch verglaste Etagentüren vom Treppenhaus getrennt.[1]
Der Längsflur wurde nur indirekt belichtet. Neben dem Treppenhaus lagen ein Vorraum und ein Toilettenraum. Im rückwärtigen Bereich befanden sich die Küche mit Speisekammer sowie ein Badezimmer.
Zur Straßenseite lagen zwei Wohnzimmer, jeweils mit Erker. An der Ostseite schloss sich das Schlafzimmer an, während ein weiteres Wohnzimmer zum Garten ausgerichtet war.
Im Dachgeschoss befanden sich vier weitere Zimmer, die den beiden Wohnungen zugeschlagen werden konnten.[1]
Zur qualitätvollen Ausstattung gehörten unter anderem Stuckdecken sowie hochwertige Holzarbeiten an Treppen, Türen und Einbauten. Die Denkmalpflege hob insbesondere den hohen handwerklichen Standard dieser Arbeiten hervor.
Veränderungen
Bereits kurze Zeit nach der Fertigstellung erhielt das Haus rückwärtig eine massive Terrasse mit darunterliegender Garage. In diesem Zusammenhang wurde die Speisekammer zu einem Spülraum mit Ausgang zur Terrasse umgestaltet.[1]
1944 wurde die Garage unter der Terrasse zugemauert und als zusätzlicher Raum genutzt.
1946 wurde auch der bis dahin offene Bereich unter der Terrasse geschlossen. Gleichzeitig teilte man das Erdgeschoss aufgrund der damaligen Wohnungswirtschaft in zwei getrennte Wohnungen auf.[1]
Nach Einschätzung der Denkmalpflege beeinträchtigten diese Veränderungen den grundsätzlichen Charakter des Hauses nicht wesentlich. Sie dokumentieren vielmehr die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die bereits wenige Jahre nach der Errichtung einsetzten.
Bewohner
Das Haus war von Anfang an für ein gehobenes Publikum bestimmt.
Zu den frühen Bewohnern gehörten die Familie Kerkmann und die Familie Dr. Rolfes. Später wohnten dort unter anderem der ehemalige Stadtbaumeister Emil Lünne, der das Haus seit 1942 besaß, sowie Dr. med. dent. Hartmann.[1]
Denkmalschutz
Das Gebäude ist bedeutend für die Geschichte der Stadt Ahlen.
Obwohl es als Zweifamilien-Miethaus errichtet wurde, erhielt es die Erscheinung eines herrschaftlichen, freistehenden und villenartigen Wohnhauses. Die Wohnungen waren auf eine gehobene Bewohnerschaft ausgerichtet.[1]
Bemerkenswert ist außerdem die qualitätvolle handwerkliche Ausführung. Insbesondere die Holzarbeiten an Treppen, Türen und Einbauten dokumentieren den hohen Standard des Baugewerbes der späten 1920er-Jahre.
Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes liegen nach der Denkmalbewertung wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor.
Die wissenschaftliche Bedeutung ergibt sich unter anderem daraus, dass mit Johannes Rötering als Bauherrn, Ewald Vieten als Architekten und dem Baugeschäft Krämer mehrere bedeutende Vertreter des damaligen Ahlener Baugewerbes an der Entstehung des Hauses beteiligt waren.
Das Gebäude dokumentiert damit in seiner Gestaltung, seiner technischen und handwerklichen Ausführung sowie in seinem Anspruch die Vorstellungen des Baugewerbes der späten 1920er-Jahre. Diese Epoche war in Ahlen vor dem Hintergrund des Bergwerks von starkem Wachstum und reger Bautätigkeit geprägt.[1]
Städtebauliche Bedeutung besitzt das Haus außerdem als Bestandteil der Gruppe der Gebäude Vorhelmer Weg 15, 17 und 19. Diese anspruchsvollen Wohnhäuser entstanden zwischen 1928 und 1931 unter Beteiligung des Architekten Ewald Vieten und des Stadtbaurates Emil Lünne.[1]

